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Hier im Blog war es über lange Zeit ganz still, aber unterdessen ging es heiß her bei uns. Es wurde hier immer wieder wild diskutiert und auch laut gestritten. Dann wurde mal einfach nur entnervt in der Ecke gehockt und am Geduldsfaden geknabbert. Wir wechselten die letzten Monate ständig die Gefühle. Von schrecklich aufgeregt über hoch erfreut, bis hin zu einfach nur wütend und völlig mutlos und verzweifelt.

Und warum das alles? Nun, wir versuchen doch noch einmal, uns eine neue Heimat zu erschaffen. Wir bauen uns ein Haus mitten im nirgendwo. Und wer selbst schon einmal gebaut hat, weiß wie das an den Nerven zerrt.
Aber nun endlich, beim dritten Versuch, scheint es wirklich wahr zu werden. Das Ganze hat eine Vorgeschichte von 20 Jahren.

Unseren ersten Bauantrag stellten wir 2001.
Mit der Zusicherung eines positiven Bau-Vorbescheids kauften wir ein Stück Land in der zweiten Reihe, in einer kleinen Gemeinde gelegen. Wir ließen das Grundstück vermessen und eintragen, besorgten uns Gehwegplatten und bauten sofort einen kleinen Schuppen darauf. Das dringendste ist eine gute Unterstellmöglichkeit für die erste Bauzeit. Gleich danach brachten wir auch unsere gut aufgepäppelten Erdbeerpflanzen an den neuen Standort. Alles schien so sicher.
Dieser Vorbescheid aber zählte plötzlich nichts mehr. Obwohl nach erster Sichtung der kompletten Bauunterlagen schon hätte gesagt werden können, dass die Chancen eines Baus an diesem Ort nicht so gut stehen, wurde uns über Wochen hin, trotz ständiger Nachfrage, immer wieder das Gegenteil glaubhaft gemacht. Des Weiteren unterschlug uns der Notar (üblich vom verkäufer gewählt) dann auch noch wichtige Eigentumsverhältnisse, und auch alle weiteren Bemühungen, wie z.B. die zweite Reihe wie vorgeschrieben mit Feuerwehr- und sonstigen Notzufahrten zu versehen, schlugen letztlich fehl. Die Stadt Delitzsch wollte uns einfach nicht dort bauen lassen. Und nur weil der Verkäufer so schnell wie möglich nach Paraguay auswandern wollte, und der Schiffscontainer bereits zum beladen auf dem Hof stand, konnten wir den Kauf schnell rückgängig machen. Alles was uns noch blieb waren viele Kosten.
Dabei mussten wir aber sowieso aus der damaligen Wohnung raus. Nach nicht einmal 2 Jahren Wohnzeit. Es war eine Schimmelwohnung, wie sich nach und nach zeigte. Ach, was sag ich. Es war ein ganzes Schimmelhaus. Bis hinunter in den Keller mit der Tiefgarage. Dort, an der Wand neben den Fahrzeugen, war genauestens dokumentiert wie lange schon Wasser durch die Wand eindringt und an ihr abläuft. Mal mehr, mal weniger, je nach Regenguss. Es sei aber alles im Griff und völlig normal, wurde uns versichert. Das stehe unter Kontrolle, und das Haus sei dahingehend begutachtet und saniert. Das zeigte sich aber gegenteilig. Denn wir hatten kurzerhand in allen Zimmern Schimmel an den Wänden und in den Schränken. Die Nachbarn gegenüber ergriffen nun bereits die Flucht und zogen aus und wir hätten es ihnen gleichtun sollen. Stattdessen besuchten wir einen Anwalt. Dieser gab grünes Licht und sah uns auf der Siegerseite. Schließlich hatten wir einiges in die Wohnung investiert was jetzt müllreif wurde, wie z.B. der gesamte Laminatboden. Der Vermieter aber zuckte sich nicht, und uns riet man die Nebenkosten einzubehalten. Erst einen Teil, dann gesamt. Darauf klagte er auf falsches Lüftungsverhalten und fristlose Kündigung, und das Ganze landete vor Gericht. Doch auch hier lehrte man unseren Anwalt eines besseren und holte ihn aus dem Himmel der Beständigkeit der bisher erlebten Urteile.
Die Richterin, die ohne Umwege zu unseren Gunsten einen Vergleich anstrebte, wurde beim zweiten Gerichtstermin von diesem Fall abgezogen und durch eine neue ersetzt. Und damit begann das Trauerspiel. Unsägliche Monate zogen sich hin, in denen keiner von uns noch zum Briefkasten wollte. Aber das allerschlimmste war dabei für uns: In genau diesen Monaten verloren wir unseren Glauben in den Rechtsstaat. Und das bis heute. Dies war kein Richterspruch im Namen des Volkes! Niemals! Das Ganze war eine Farce, was wir da bei Gericht erlebten, was teilweise an eine schlechte Komödie erinnerte.
Die neue Richterin empfing gleich am ersten Tag den unabhängigen Gutachter überfreundlich mit den Worten: „Ach, Herr M. das wir uns wiedersehen freut mich aber sehr. Wir haben ja schon so lange miteinander zu tun und kennen uns nun schon so gut. Mit ihnen habe ich so oft zusammen gearbeitet. Wann war unser letztes Zusammentreffen? Na, dann werden wir uns wieder prima zuarbeiten. Ich freue mich auf die erneute gemeinsame Arbeit. Wir werden uns auch hier wieder gut verständigen.“
Das taten sie dann auch! So gut, dass der Gutachter zum Beispiel falsche Inhalte unserer Wohnung wiedergab, oder auch einfach etwas zu Rechnung brachte was nie Gegenstand seiner Leistung war. Etwaige Messungen gar, Vor-Ort Begehungen, die nie stattfanden, oder eine Menge von Farbfotos, die er gemacht haben will, die aber nie irgendwo auftauchten. Sollten wir da noch den vielen aufgezeichneten Arbeitsstunden glauben?
Dem von uns eigens bestellten Gegengutachten vom TÜV Rheinland wurde erst gar nicht Beachtung geschenkt – klar. Und wie ernüchternd, dass der Zeuge, den wir bestellten, vor Gericht zu Gunsten des Vermieters aussagte. Und auch komisch, dass der Vermieter dieser Wohnanlage nie selbst vor Gericht auftauchen musste. Lag das alles daran, dass er Miteigentümer und Geschäftsführer des nahegelegenen Einkaufspark und Hotel ist, und sogar eine der dortigen Straßen den Namen seines Vaters bekommen durfte? Ein Schelm, wer da an irgendwelche Beeinflussungen denkt. David gegen Goliat, immer noch und immer wieder.

Nun lief dabei bei uns im Hintergrund aber bereits der Plan des Hausbau auf Hochtouren. Grundstücksuche und Grundstückkauf, Hauskauf und Finanzierung. Denn das wir ausziehen mussten, so oder so, war uns schnell klar. Nur mit der gravierenden Wendung beiderseits hatten wir nie gerechnet.

Denn was soll ich sagen wie es ausging? Das dürfte doch schon klar zu erkennen sein. Natürlich trugen WIR alle Unkosten und bekamen die fristlose Kündigung von einem seiner Laufburschen persönlich ausgehändigt.
Da braucht’s dann eine Weile, sich davon zu erholen. Auch finanziell.

Plötzlich mussten schnelle Entscheidungen her. Zum Glück fanden wir zu der Zeit recht zügig eine neue brauchbare Wohnung. Und auch noch eine die für die nächsten 19 Jahre brauchbar blieb. Das hätte auch anders kommen können.
Doch so ein Wunsch des eigenen Heims verschwindet nicht. Und wenn sich immer mehr ringsum der Wohnung und auch innerhalb des Hauses derart verändert, dass es sich nicht mehr gut anfühlt, dann ist es an der Zeit daran etwas zu ändern. Und so begannen wir erneut 2016 nach einem Grundstück zu suchen. Nun in geringerer Auswahl, dafür aber wenigstens teurer! Aber es gab auch Ausnahmen. Doch die hatten einen Haken.
Eine ältere Dame wollte ein derzeit verpachtetes Grundstück ihrer Eltern verkaufen. Und das zu einem guten Preis. Nur damit sie es los wird. Das gefundene Prachtstück in guter Größer entpuppte sich allerdings bei unserer Antragstellung als ein Grundstück der eigenen Art. Zum einen gaben die Behörden selbst der Eigentümerin keine vernünftige Auskunft darüber, ob es denn nun Baugrund sei oder nicht, und zweitens bekamen wir auf eine Voranfrage die Auskunft, dass es das sei, was dann drittens wieder nicht stimmte. Das hinge bedingt von der Größe des geplanten Häuschens ab. Wenn es bei Schuppengröße bliebe, könnte man sich dafür einsetzen das es gebaut werden dürfte. Und im eigentlichen sei auf dem Grundstück momentan aber nur extensive Tierhaltung geduldet.
Ne, Ne, im Schuppen wollten wir eigentlich nicht wohnen! Mit ‚Haus‘ meinten wir schon eher so was ernsthaft Größeres.
Sie hätten es ganz sicher als Bauland zulassen können, wollten aber auch hier einfach nicht. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite stand Haus neben Haus auf schmalsten Flurstücken…
Es war ein so schönes Grundstück und unser Bedauern riesengroß.

Die Besitzerin dieses zweiten Grundstücks hatte allerdings ein so schlechtes Gewissen – was sie gar nicht haben brauchte – dass sie uns weiterhin regelrecht betreute. Wir hatten uns nie persönlich kennengelernt. Die Anbahnung und Besichtigung lief über eine Maklerin. Und doch führte sie für uns weitere Recherchen im Bekanntenkreis durch, damit wir noch ein passendes Fleckchen Erde finden sollten. Obwohl wir ihr auch nicht das alte Elternhaus mitten im Ort abkaufen wollten. Das verstand sie. „Es tut mir ja so Leid dass das schief ging mit dem Land. Ich hatte doch alles versucht. Wir haben uns zwar nie getroffen, und doch habe ich sie irgendwie ins Herz geschlossen. Sie sind mir einfach sympathisch und ich möchte noch was für sie tun“ – teilte sie meinem Meister am Telefon mit. Neben den vielen alltäglichen Sorgen, die sie umgaben. Sie war eine Kümmerin durch und durch, für alle und für jeden. Mein Meister hörte ihr geduldig lange zu. Über zwei Monate hielt sich noch dieser Kontakt. Bis wir dann wirklich was Eigenes fanden. Das freute sie sehr, denn ihre Bemühungen blieben leider ohne Erfolg.

In der Zwischenzeit haben wir alles irgendwie Mögliche abgeklappert. Im Internet haben wir gesucht, in fast jede Zeitung des Landes haben wir eine Annonce aufgegeben. Am Wochenende sind wir durch die Gemeinden gefahren, um nach „zum Verkauf“ Schildern zu suchen. Wir haben nach freien Grundstücken, sowie auch Häusern zum Sanieren gesucht.
Was haben wir nicht alles gesehen! Aber schnell bekommt man auch ein Gefühl dafür wo der Hase im Pfeffer liegt und der Makler genau da nicht mit dem Finger drauf zeigen will.
Grundstücke, bei denen keiner sicher sagen konnte was genau rechts und links in Kürze passiert. Eine Nachbarin redet davon dass da einer bald Schafe halten will. Eine größere Herde soll das werden. Das alte Haus rechts hat auch neue Besitzer, aber da sind jetzt fast alle Fenster mit Pappe zugenagelt worden. Hin und wieder soll da mal jemand kommen und nach dem Rechten sehen. Dann ist da mal Krach. Aber renovieren? Dazu fehlt denen wohl das Geld. Die haben mal angefangen, aber das war schon vor Jahren! Obwohl der Handwerker ist. Aber hier ist ein Arzt im Ort! Wäre das nicht was für sie?
Sicher war dort nur der Bestand an wild lebenden Hühnern an der Rückfront, um die sich kaum einer kümmerte, außer ab und zu Futter hinzustreuen, und die sich hin und wieder durch den Zaun mogelten – genau wie ein Marder oder Iltis, oder was man auch immer mit der gelegten Falle hinter dem Loch im Zaun erwischen wollte. Uhahhh, da graut es mir.

Eine nette ältere Frau erklärte mir schon mal in ihrer Küche den Gasherd, den sie ja gern drin lassen würde. Aus einem anderen Keller hätten wir uns noch von Eingewecktem gut ein halbes Jahr ernähren können – vielleicht bei Geldknappheit nach dem Kauf?
Auf dem nächsten schönen großen Grundstück stand ein zweigeschossiges Haus welches nebenher in Heimarbeit von 2-3 Jungs saniert wurde, so wie gerade mal Zeit war. Und das mit Material, was von einem anderen Bauplatz abfiel. Da war der Küchenboden schon in schwarz gefliest und im Wohnzimmer lauter kleine Lampen an den Wänden und auch eine an der Decke. „Geht alles zum Festpreis raus!“ – klar, bei dem Preis. Was mit dem ungesicherten Austritt in der oberen Etage noch passiert? „Da haben wir noch keine Vorstellung. Das können sie sich ja dann machen wie sie wollen.“ Am besten gefiel mir dort das noch unsanierte Bad mit dem ungehobelten alten Dielenboden. „Das ist doch noch gar nicht gefliest!“ war seine halb entsetzte Reaktion. Ne, meinetwegen kann das, nach Schliff, so bleiben. Unangebracht fanden wir, dass eine Menge dunkler Restbeton einfach ausgekippt und im halben, sonst grün bewachsenem Hof verteilt wurde. „Wieso? Warum nicht? Haben sie gleich ‚ne feste Einfahrt!“
Dort und auch auf den allermeisten Grundstücken aber war so viel alter Nebengelass, dass schon die Beräumung jede Finanzierung gesprengt hätte.
Anderswo stand vor dem Haus ein völlig rostiges und bereits bemoostes altes Auto ohne Reifen. Und dabei war das noch nicht mal das Schlimmste. Auch um eine eingetretene Zimmertür, die nicht mehr verschließbare Balkontür und um die zerschlagenen Wände und Fußböden hätten wir uns kümmern sollen. Das Treppengeländer sah aber noch gut aus. Da hatte der Zahnarzt über Jahre mächtig Ärger mit seinen Mietern in dem 130 qm Haus und wollte jetzt noch ein Schnäppchen machen und dabei das Haus so schnell und galant loswerden wie es nur geht.

Viele der Anbieter hätten uns gern als Käufer gesehen. Das hat uns immer geschmeichelt. Einige riefen uns nochmals an und wollten mit dem Preis runtergehen. „Oder woran hängts? Sagen sie ruhig!“
Zwei der Häuser waren so niedrig, in denen konnte ich, ohne mich groß zu strecken, die Decke berühren. Und das will was heißen bei meiner Körpergröße von einsvierundfuffzich!
In einem anderen lud wirklich nur der kahle Dachboden zum Umbau und zum Wohnen ein.
Bei einigen anderen befanden sich Stallungen nebenan. „Falls sie sich Schweine halten möchten? Die Boxen sind noch voll in Ordnung. Und nach hinten gibt’s einen Auslauf! Mit Rasen!“ Die volle Vogelvoliere hätten wir auch übernehmen dürfen. Einschließlich der mindestens fünf 10 Kilo Säcke Futtervorrat. War ein Hobby, welches jetzt immer schwerer fällt. Und sind noch Hühner da – die bekommen sie obendrauf. Und ich zeige ihnen auch gleich noch meinen angelegten Gemüsegarten! Da finden sie alles was sie brauchen. Ich habe ein extra großes Kartoffel Beet gemacht.
Dann gab es volle Garagen und übervolle Hobby Werkstätten mit Unmengen an rostigem Werkzeug, oder auch eine ehemalige Bäckerei einschließlich Backofen und Ladenräumen. In einem weiteren Haus wurde gerade das Bad erst vor wenigen Monaten ins Erdgeschoss verlegt, neu ausgebaut, und von der Krankenkasse altersgerecht ausgestattet. Leider war dies der größte Raum im Haus, die kleine Küche gleich nebenan und das Wohnzimmer in der oberen Etage.
Bei einigen Häusern konnte man sich noch vorstellen einen Zugang zum Garten zu schaffen, bei anderen wäre das gar nicht möglich gewesen. Dabei ist das Leben im Garten doch das wichtigste für uns.

Und jetzt? Der dritte Versuch. Jetzt muss es einfach klappen.

Fortsetzung folgt …

Lasst es Euch gut gehen.