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Nach rechts und nach links sehen wir bis zum Horizont nur Wasser. Ein grandioser Anblick. Das haben wir so noch nicht erlebt. Wir fahren mitten auf dem Meer auf einer Straße, die einfach endlos erscheint. Es ist das Ijsselmeer über das wir fahren und sind dazu auch noch so gut wie allein unterwegs. Kein Auto fährt hinter uns welches drängeln könnte und kaum Gegenverkehr ist hier unterwegs. Und doch beschwert sich mein Meister. Darüber nämlich, das die Sonne ausgerechnet jetzt weg ist und sich das Wetter nur noch in einen grauen Mantel hüllt. Und dabei wollte er doch mit mir diesen Weg über das Wasser so gern in den Sonnenuntergang fahren – dieser alte Romantiker.
Ich finde es dennoch ausgesprochen schön, hier lang zu fahren. Auch bei Nicht-Sonnen-Wetter ist es einfach nur herrlich. Und jetzt hier, bei diesem gigantischem Wasseranblick muss ich an diese Werbung für die Expo 2000 mit meinem so geschätzten Peter Ustinov denken: „Und hier die Niederlande, soo klein. – Ja, und Holland erst!“
Er hatte mir vorher nichts davon gesagt und wollte mich mit dieser extra Tour überraschen. Ist ihm auch gelungen. Auch wenn es von dieser Gegend nun kein einziges Foto gibt. Das Wetter eben, das nicht ganz so gute, gab nicht wirklich eins her. Aus dem Auto heraus schon mal gleich gar nicht. Und anhalten war da nicht drin. Wir fuhren viel lieber in aller Ruhe gefühlte Stunden einfach nur geradeaus und genossen diese Aussicht auf so viel Wasser gleich neben der Straße sehr. Foto hin oder her. Dazu wäre sowieso keine Zeit gewesen.

Weiter geht es vorbei an Tulpenfeldern. Endlich. Auch die wollte mir mein Meister noch gönnen. Ich dachte nämlich schon hier gibt es sowas gar nicht. Bisher waren nur grüne Landschaften zu sehen und nichts mit Blumen darauf. Jetzt leuchten uns in regelmäßigen Abständen neben der Strasse doch noch Tulpengrachten entgegen.
Auf scheinbar abgeknapsten oder übriggebliebenen Randflächen der Felder, stehen sie, in bunten schmalen langen Bändern, in immer wiederkehrenden drei bis vier fein säuberlich geordneten Farben. Es wirkt wie ein Überbleibsel eines schon gewesenen Anbaus. Das restliche größere Stück Feld sieht aus wie frisch gepflügt. Dieser Anblick wiederholt sich über die nächsten Kilometer.
Ich erfreue mich auch an diesem häufig buntem Aufblitzen des Frühlings unheimlich, wenn ich, zugegeben, auch einen nicht ganz so sparsamen Anblick erwartet hatte.
Meine Lieblingsfarbe habe ich schnell ausgemacht. Ein tiefdunkles Lila.

Dann kommen die Neubausiedlungen. Es sind große neu bebaute Wohnsiedlungen und weiter abgelegen von der Stadt. Dafür in der Nähe eines Gewerbegebietes. Es sind für meinen Geschmack nicht die allerschönsten Häuser, aber sicher sehr zweckmäßig im Wohnraum. Zwei- und Drei- Etagen Blöcke nebeneinander und gegenüber, dazwischen grüne Höfe. Halt, nein, nicht ganz. Die Höfe wechseln sich ab mit Wasserkanälen. Häuserblock, grüner Hof, Häuserblock, ein Kanal, Häuserblock … usw. Jede Hausreihe hat beides zur Verfügung und Verwendung. Ein wunderbarer Blick muss das sein auf jeder Seite der Wohnung. Und alle wohnen hier auf einem Wassergrundstück. Da gibt es Schlechteres. Ab und an ist sogar mal ein kleines Boot zu sehen.

Die nächstliegende Stadt von unserer Unterkunft aus gewannen wir erst auf den zweiten Blick lieb. Aber Zwolle ist doch ein kleines nettes Juwel. Von außen erst recht unscheinbar, zeigt sie doch bei näherem Hinsehen ihren eigenen Charme mit ihren X verwinkelten Gassen. Und das schon an einem Sonntag, an dem alle Läden geschlossen hatten. Sie nahm uns in ihren Bann und liebäugelte damit, dass wir sie doch noch einmal zu den Öffnungszeiten besuchen. Das taten wir gleich am nächsten Tag und waren sehr zufrieden auch mit ihrem „offenem“ Erscheinungsbild. Der Besuch lohnt sich.

Wenn man andere Hotelgäste belauscht, ist das vielleicht nicht ganz nett oder höflich, aber man kann dabei auch was lernen. Und so hörte ich ganz nebenbei dass sich ein Pärchen nach einer Zugfahrt Richtung Amsterdam erkundigte. Damit war der Gedanke, in die umliegenden Städte auch mit der Bahn fahren zu können, sofort auf fruchtbaren Boden gefallen. Denn nach der Erfahrung: Auto – Amsterdam – Parken waren wir bereitwillig offen für entspanntere Touren. Und somit war schnell der Plan gefasst doch gleich mal den Zug nach Utrecht zu nehmen.


Diese Entscheidung erwies sich als goldrichtig und wir kamen nach über einer Stunde Fahrt noch erholt in Utrecht an.


Ausgedehnte Bummel durch (fast) alle Straßen folgte, und dabei hatten wir noch solch ein Glück, das seit Tagen etwas nasse Wetter endlich hinter uns gelassen zu haben. Somit genossen wir einen herrlichen sonnigen Sommertag in Schlenderlaune. Na, nicht ganz …

Utrecht ist, ebenso wie Amsterdam, auch voller Touristen, aber trotzdem gleich heimeliger im Gesamteindruck. Uns hat es dort besser gefallen. Aber Utrecht ist doch ebenso voller Fahrräder. Und die Fahrer derselben sind hier nicht immer so entspannt.

Liegt wahrscheinlich auch an der Masse dieser Drahtesel. Wo soll der Fußgänger denn auch anders laufen als auf einen Radweg, wenn die Straße, einschließlich Fußweg gerammelt voll ist? Da hatten nicht alle Fahrradfahrer Verständnis. Überhaupt sind die Radfahrer dort eine ganz eigene Spezis. Schon mit vielen Rechten ausgestattet, nehmen sie sich trotzdem noch mehr Rechte raus. Auch nicht immer schön. Und vielerorts ein recht besonderer Kampf auf den Straßen.

Dieser Platz hier, vor dem Bahnhof in Utrecht, sagt im Bild vielleicht mehr aus als viele weitere Worte. Wohin nur in dieser Stadt mit so vielen Fietsen?

Utrecht ist auch lecker süß. Nicht nur in den Kaffees der Stadt. Wir besuchten einen Chocolatier Laden mit handgemachter Schokolade und Pralinen – mmhhh
Und es gibt Spezialläden, die so bei uns weniger zu sehen sind: zum Beispiel ein Geschäft nur mit Erdnussbutter. Die aber dann in unzähligen Geschmacksrichtungen verfeinert wurde. Alles in süß und herb. Und dann gibt es auch Geschäfte in welchem es nur Baiser gibt. Nix anderes, dafür aber in verschiedenen Größen und Farben – und, klar, auch in Orange…

Lasst es Euch gut gehen.