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oder Henry Haschke hat schuld.

Ich komme aus einer Familie der Wiederkäuer. Und das schlimmste ist: ich stelle fest, ich werde selber einer.

Studien zufolge soll ein bestimmter Sinn für Humor in der Familie frühzeitig erlernt worden sein. Na ja, da kann schon was dran sein. Was wer lustig findet ist ja wirklich grundverschieden und das muss ja seine Ursachen haben. Gemeinsam etwas lustig zu finden verbindet stark. Nicht nur in Familien, da aber besonders – so das Ergebnis der Studie.
In meiner Familie wurden von jeher alle beliebten Komikersprüche zu jedem halbwegs passenden Anlass zitiert. Das kann nun recht lustig sein, wie im Fall der Kuh im Propeller, kann aber über eine gewisse Dauer so manches Mal auch tierisch nerven. So auch immer wieder das „früher war mehr Lametta“.
Dabei gab es bei uns auch keinen Unterschied zwischen „West-“ und „Oststar“. Meine Mutter war glühender Otto Waalkes und Loriot Fan und hatte zudem ein Gedächtnis sondersgleichen. Die allermeisten Stücke konnte sie Wort für Wort aufsagen.
Auch so von vielen DDR Stars. Herricht und Preil beispielsweise. Leider verstarb Rolf Herricht viel zu früh. In meiner Familie aber lebte er munter weiter. Er wurde rauf und runter rezitiert. Dabei habe ich ihn zu Lebzeiten nie live erlebt. Was ich immer bedauerte.

Ich lernte die bekanntesten Komiker vorrangig von der „Platte“ kennen. Für die jüngeren unter Euch: ich meine die Schallplatte. Das schwarze flache große Ding mit dem Loch in der Mitte.
Meine Oma war damit recht gut ausgestattet, mit gesammelten Live Auftritten von Eberhard Cohrs bis Gerd E. Schäfer. Und in den Ferien war ich dann tagsüber alleinige Herrscherin über diese Sammlung. Ich weiß nicht mehr genau wie viele es waren, aber es waren schon einige. Irgendwann aber konnte ich sie alle mitsprechen. Jedes Wort konnte ich auswendig.

Unter diesen Platten befand sich nun auch „Die schwatzhaften Sachsen“. Ein Mitschnitt einer Lesung der Autorin Renate Holland-Moritz. Ich möchte nun wirklich nicht behaupten das ich davon als Kind immer alles verstand. Hatte aber großen Spaß an ihrer Erzählkunst und Vortragsweise. Auch diese Platte gehörte zu meinem Repertoire.

Nach 1989 war vieles nicht mehr chic was aus dem Osten kam und so fanden sich auf den reichlichen Schnäppchentischen auch viele Bücher für einen Ramschpreis wieder. Jetzt erst durfte ein Buch von Frau Holland-Moritz auch mir gehören. Und dann ….

… dann kam der Tag der Tage, an dem sie eine ihrer so seltenen Lesungen in meiner Stadt abhielt. Und ich hatte nun das große Glück sie einmal zu treffen. Noch besser gesagt sie zu erleben.

Bei dieser Lesung ging es dann urplötzlich gar nicht mehr um eins ihrer Bücher, sondern sie plauderte einfach so drauf los und ballerte eine Anekdote nach der anderen raus. Alles aus den letzten Jahrzehnten über die Begegnungen und Geschichten der bekanntesten Stars. Es blieb kein Auge trocken! Solch Marotten und urkomische Erlebnisse mit Prominenten kann sich niemand ausdenken. Frau Holland-Moritz konnte manchmal selbst immer noch kaum glauben das alles live erlebt oder aus erster Hand gehört zu haben. Da passte dann so manches öffentliche Bild so gar nicht mehr in den Rahmen.
Diese Frau hatte ein unbeschreibliches Gefühl für Witz und Pointen. Ja, leider muss ich schreiben „hatte“. Denn nun ist auch sie vor kurzem viel zu früh gegangen. Dabei hatte ich doch so gehofft sie vielleicht noch einmal in einer Lesung anzutreffen.

Und nun bin auch ich zur Wiederkäuerin geworden. Ich kann ganz ungefragt unter anderem mit meinem Wissen über Papageiengattungen brillieren. Araganka, Ararauna und Soltatenara. Natürlich die einzigen die ich auch nur von Frau Holland-Moritz kenne. Seitdem aber auch nie wieder vergessen habe.
So lebe sie denn weiter.

Und was es mit Henry Haschke auf sich hat und dem fehlendem Grün … ja, dem sei dieses Buch empfohlen.

Lasst es Euch gut gehen.

 

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