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„Die Griechen können nicht Auto fahren. Seien sie vorsichtig!“ So die ermahnenden Worte unseres Reiseleiters bei der Buchung des Mietautos am ersten Morgen auf Santorin.
Gut. Das kennen wir schon. Da reihen sich die Griechen mit den Kroaten, wie auch den Italienern in den oberen Rängen ein. Damit können wir umgehen, das sind wir gewohnt und bereits dementsprechend sensibilisiert.
Außerdem durften wir bereits gleich am ersten Tag auf Kreta in Heraklion Zeuge eines Wortgemetzels nach einem Autocrash werden. Da fand urplötzlich großes Palaver mitten auf einer Kreuzung statt, umringt von einer Menge Schaulustiger. Sensationell lautes Gebrüll der beiden Fahrer, obwohl die nur wenige Meter, also fast Gesicht an Gesicht, voneinander entfernt standen. Das hatte Kinopotential.

Am späteren Nachmittag, als wir mit Dana auf Tour waren, bekamen wir prompt von ihr das Gleiche zu hören. Mit den beruhigenden Worten: Dimitrios (unser Busfahrer) macht das schon. Es gibt nur gute Busfahrer.
Wurde es dann später einmal brenzlig in engen oder zugestellten Strassen, bekräftigte Dana Dimitrios‘ Können jedesmal mit den Worten: „Of Course. Of Course. Dimitrios macht das schon. Kein Problem. No Problem. Of Course.“ Wie ein Mantra sagte sie es beschwichtigend immer wieder auf.
Ich weiß nicht was davon Dimitrios wirklich verstand oder ob das überhaupt für ihn oder uns bestimmt war. Sicher fühlten wir uns aber allemal. Den Abschlussapplaus hatte er sich redlich verdient!
Aber an den Fahrkünsten der griechischen Autofahrer muss was dran sein! Und das sollten wir zwei Tage später auch noch merken.

Wir ließen uns aber nicht abschrecken und waren endlich wieder in unserem Element: mit Auto im Urlaub unterwegs.

Nun hatte ich auch noch genau am Vorabend vom Balkon aus im Dunkel gesehen, dass am Berghang, genau vor unserem Hotel, sich einige Lichter langsam den Berg hinauf und hinunter bewegten. Meinen Meister daraufhin angesprochen, holte er sofort das Fernglas und jubelte: da fahren wir morgen gleich als erstes rauf!
Meister – Auto – Berge – Serpentinen – das muss zusammen.

Am nächsten Morgen rollten wir los, und das erst mal den steilen Berg hinauf. Das ist immer gut weil grandiose Aussichten vielversprechend sind.

*ein süßer kleiner – für meinen meister extra als allrad antrieb gebucht

*das ist kamari und man sieht sehr schön den langen schwarzen strand. badeschuhe sind hier zu empfehlen, da das alles lavasteinchen sind.

Und das waren sie dann auch. Verblüfft stellten wir 22 Serpentinenkehren später als erstes fest, dass der Flughafen in unmittelbarer Nähe unseres Hotels liegt. Und davon hatten wir noch nicht mal was gemerkt! Obwohl den ganzen Tag verteilt Flugzeuge landeten und starteten und dabei dicht über dem Strand von Kamari zu sehen waren, hatten wir nie übermäßigen Krach um die Ohren und nach elf Uhr Abends haben wir kein einziges Flugzeug mehr wahrgenommen.

Weiter ging es mit dem kleinen Flitzer durch die Prärie Richtung Süden. Wir wollten eine Strasse finden die zum Meer führt. Zuerst aber führte sie durch ein kleines Dorf und zu einer ehemaligen Tomatenfabrik. Die ist heute ein Museum.
Wir fuhren weiter und fanden schließlich eine  – na ja – strassenähnliche Führung Richtung Meer. Irgendwann endete die in einem Meer aus Sand und ich wollte lieber das Auto abstellen. Und so gingen wir zu Fuß weiter.

Dort kamen wir an riesigen Wänden mit weißem Vulkanstein vorbei. Ähnlich einem Bimsstein, aber viel weicher. Er zerbröselt in der Hand zu feinem Mehlstaub.

Alles Lava, Stein und Asche. Und an der Aufschichtung kann man sehr gut alle Schichten sehen die sich im Laufe der Zeit vor und nach dem Vulkanausbruch gebildet haben. Zwischendrin findet man immer wieder mal eine dunkle Staubschicht, dann wieder Steinbrocken.

Angekommen in der Bucht. Da vorn ist eine Bar.

Wir liefen aber in die andere Richtung weiter.

Am Ende der Bucht steht die Tomatenfabrik. Sehr gut am Schornstein zu erkennen. Uns war es dann aber doch zu weit bis dahin zu gehen – Mittags, in voller Sonne und am Wasser … da habe ich einfach noch zu schlechte Erinnerungen an Italien und den Strand. Wir wurden auch hier immer wieder vor der Sonne und ihrer Wirkung gewarnt. Nicht zu unrecht. Denn auf Santorin bläst immer ein Lüftchen und die Sonne ist daher nie zu merken.
Wir entschieden uns nach ungefähr einer halben Stunde am Strand bummeln wieder umzukehren.
Und wenn der Meister spielt, ist er tiefenentspannt. Auch gut so.
Ich hatte zu tun meine Füße wieder trocken und sauber in die Schuhe zu bekommen.
Dafür waren meine Füße in diesem herrlichen Sand aber sowas von Babyweich gepeelt. Wenn es das nur für zu Hause gäbe!

Wir wollten uns nicht den ganzen Tag für den Strand Zeit nehmen, sondern Weiteres ansehen. Und so fuhren wir gleich weiter nach Fira.

Steil bergauf über etliche Treppen, aber was für eine Aussicht.

Sehr schön ist hier der ganze Krater zu sehen. Auf dem nächsten Bild vielleicht noch etwas mehr.

Hier erschließt sich einem der Kraterrand noch mehr. Sehr beeindruckend ist das in Natura. Ein Foto kann da nur einen Bruchteil wiedergeben.

Oben angekommen stellten wir fest das es auch eine Seilbahn gibt … was für eine Freude. In den alten Hafen hinunter, das war aber nicht unser Ziel. Eine keuchende Reisende verwies auf einige Esel, die auf einer Etappe etwas tiefer standen. Sie bedauerte wohl keinen gemietet zu haben. Ich würde da eher noch den Esel tragen, als umgekehrt.

Fira ist sehr schön und man kann gut bummeln und gut Essen. Von allem herrscht eine große Auswahl.
Und wer optisch noch nicht auf seine Kosten gekommen ist, kommt es garantiert kulinarisch. Die untere Auslage allein ist voll mit Baklava in unterschiedlichster Füllung und Ausführung. Mein Meister jedenfalls kam voll auf seine Kosten.

Der nächste Tag war schon wieder Abreisetag zurück nach Kreta. Zum Glück kam für den Rückweg zum abgesprochenen Termin ein Bus und brachte uns zur Fähre.

*der hafen von santorin

*und dies war unsere fähre. in gut zwei stunden ist man damit in kreta.

Gleich zwei nette Herren, die recht gesprächig waren verluden schnell unsere Koffer im Minibus. Und das erste Mal das mich einer mit „ma’am ansprach. Jetzt bin ich wirklich alt.

Im Bus gleich die Frage: „Woher kommen Sie?“ Und nach unserer Antwort ein lautes: „Ahh, Germany. MERKEL and SCHÄUBLE!“  — Und es geht los —
Da machte es sein kurz zu mir gewandter Blick mit den Worten: „Sorry for this …“ auch nicht besser.

Man kann es, glaube ich, nicht verhindern und auch nicht übel nehmen. Ich verstehe sie ja. Es brennt, und brennt gewaltig. Sie wissen auch das wir in Person nichts dafür können, aber es muss eben raus, wenn es denn mal passt.
Mein Meister ist da ein sehr guter und sehr geduldiger Gesprächspartner, den er, glaube ich auch, dankbar gefunden hatte und gleich loslegte.
Und so gab es fast die ganze Fahrt zum Hafen eine politische Diskussion bei der sich aber die zwei Männer ziemlich einig waren.

*einmal mehr einfach abgestellt und der natur überlassen. zu oft sieht man derart ‚entsorgung‘ in einer der schönsten landschaften der welt

Er interessierte sich auch dafür wie uns Santorin gefallen hat und was wir von Santorin für einen Eindruck mitnehmen würden.

Wir schilderten ihm das die Bewohner nicht gerade sehr liebenswürdig mit ihrer Insel umgehen und sie leider zu oft mit Müll zudecken. Zu viel sahen wir davon in der Landschaft rumstehen. (und leider hat dies thema sogar schon einen wikipedia eintrag „verdient“!)
Zustimmend ärgert ihn das auch. Und dabei pflichtete ihm sogar mal der Busfahrer bei.
Er hatte die gleiche Vorstellung: Wenn sich daran nichts ändert, kommt kein Tourist wieder. Er selbst kommt aus Athen und seine Frau mit den beiden Kindern leben auch dort. Er findet in Athen keine Arbeit und ist auf die Insel gekommen. Als Geschäftsmann hatte er viele Verbesserungen vorgeschlagen, nachhaltiger zu wirtschaften. Damit beißt er bei den Insulanern auf Granit. Erst recht als ‚Ausländer‘. Athener sind Griechen und keine Santoriner oder Kreter, bei denen das gleiche Problem vorliegt. Dabei könnte er als eher Außenstehender die Dinge anders angehen.

Dasselbe wäre schon mit Rhodos passiert. Alle sehen nur zu in kurzer Zeit viel Geld abzuholen – und denken nicht über längerfristige Einnahmen nach. Rhodos ist tot, meinte er. Und es wäre wirklich fatal wenn mit Santorin das Gleiche passiert.

Damit es aber nicht in Tränen endet erzählte er noch belustigt über die unglückliche Liebe seines Kollegen zu einer Prinzessin, die er gern heiraten würde. „Das wird aber nichts. Das habe ich ihm schon gesagt. ‚Hör zu: du bist nur ein Busfahrer – sie aber ist Prinzessin. Du wirst nur unglücklich‘. Er will trotzdem dran glauben.

Und wir glauben an Santorin. Mögen alle Schutzheiligen auf die Insel achten.

 

Mach’s gut Santorin, es war schön mit dir.

 

Lasst es Euch gut gehen.

 

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