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Auf Kreta bekommt man gleich am Flughafen einen ersten Eindruck davon auf wieviel Touristen sich die Griechen da vorbereitet haben. Nach Verlassen des Flughafengebäudes betritt man direkt eine Ladenstrasse, mit Büdchen, ich glaube wirklich ALLER Reiseunternehmen dieser Welt. Da hofft man dann seine Ansprechpartner schnell zu finden. Es folgt eine kurze Anmelde-/Einreiseprozedur, ähnlich dem Einchecken beim Fliegen, und wird dann nach Übergabe der erforderlichen Dokumente und Informationen gleich durchgewunken an das wohl einzige, aber zumindest größte TouristenBusTransportunternehmen der Insel. Meeting Point Hellas. Es mag vielleicht sinnvoll sein solch Geschäft an dafür organisierte Fachkräfte auszulagern, kann sich aber in dieser Dimension auch mal rächen – wie in unserem Fall.
Dann geht es nun vom Flughafen, nicht nach Veranstaltergruppen, sondern nach Zielort und entsprechendem Hotel eingeteilt in einen der vielen in Linie bereitstehenden Kleinbusse. Und dann kann es schon vorkommen, dass auch noch ein später landendes Flugzeug Passagiere für genau diese Richtung enthält, welches es dann noch abzuwarten gilt. Wir standen noch ca. eine knappe Stunde, mit laufendem lautem Motor für die Klimaanlage wartend ohne jegliche Mitteilung auf dem Parkplatz. Nicht gut, Meeting Point Hellas!

Unsere Hotels konnten wir bei dieser Reise nicht mitbestimmen. Wir buchten eine Inselkombinationsreise, die ganz einfach und simpel die drei Sterne Hotel Kategorie versprach. Das wars. Aber ich möchte hier trotzdem näher auf unser “verordnetes” Hotel auf Kreta eingehen.
Das “Erato” liegt ca. 20 Minuten Busfahrt außerhalb der Inselhauptstadt Heraklion (Iraklion) im kleinen beschaulichen Örtchen Gournes, direkt an der Strasse. Es hat keinen direkten Strandzugang, aber einen Pool im Hof, nebst überdachtem “Biergarten”, und um die 30 Zimmer auf 3 Etagen. Der Strand ist aber in wenigen Minuten gut zu Fuß erreichbar.
Von der Strasse her gesehen wirkt das Hotel auf den ersten Blick recht unscheinbar, aber der wahre Schatz, die herzliche Schaltzentrale, offenbart sich recht schnell. Und doch realisiert man erst etwas später warum man sich eigentlich so urplötzlich wir zu Hause fühlte und die Dinge erlebte die man so noch nie in einem Hotel vorher erlebt hat.

Wir kamen recht spät im Hotel Erato an und das Einzige was man dann noch will, ist schnell auf das Zimmer zu kommen um endlich seine Ruhe zu haben. Das sieht der Eigentümer des Erato aber erst mal ganz anders und wird zu später Stunde noch mal zum Motivator. Und das ist auch gut so.
Adam ist nämlich der Meinung, auch wenn das Hotel bis auf zwei Zimmer ausgebucht ist, hat der Gast immer noch das gute Recht sich das schönere und für ihn angenehmere Zimmer selbst auszusuchen. Mit den drängenden Worten doch gleich das Gepäck abzustellen und bloß schnell nachzugucken, sucht man nun, beide Zimmerschlüssel in der Hand, sofort nach den richtigen Etagen und Zimmern. “Das Kleinere weiter oben oder das Größere ganz unten?”
Unsere Entscheidung viel auf Ersteres – was sich Adam bereits dachte und schon längst ins Buch eingetragen hatte …. ihm macht man nix vor. Er hat die Gäste lange studiert und kennt sie alle. Und nutzt es nun zum Vorteil Aller schamlos aus. Und dann scheuchte er uns gleich noch zum Abendbuffet, welches eigentlich in ein paar Minuten abgeräumt werden müsste. Trotz fester Essenzeiten bleibt es aber für alle seine spät eintreffenden Gäste so lange verfügbar bis alle da und dann auch wirklich satt sind. Egal ob Anreise oder Ausflug.

Und auch gleich noch am ersten Abend durften wir den Einsatz und den heimlichen Chef des Hauses kennenlernen: die (heilige) blonde Maria.
Maria ist Herrscherin über die Küche und die Bar des Erato. Sie ist ein Wirbelwind und macht ihren Job mit voller Hingabe. Sie schafft es ganz leicht dass sich jeder Gast als besonders gut betreut fühlt.
Allein in 3 Monaten hat sie mit einem Privatlehrer Deutsch gepaukt um nicht immer Adam fragen zu müssen was denn die Gäste gerade gesagt haben, und spricht das nun fast perfekt, genau wie englisch. Nur die schrecklichen Artikel, die es im griechischem nicht gibt, sind bis zum heutigen Tage nicht Marias Freunde geworden. Müssen sie aber auch gar nicht. Ob nun ‘die’ oder ‘der’ Stuhl, das ist doch völlig egal, Maria. Dich versteht trotzdem jeder hervorragend.

Mein Meister bestellte nun sogleich bei Maria den trockenen roten Hauswein und er war beim probieren derart angetan (ich aber auch – und das ist eher selten), dass er unbedingt wissen wollte was das denn für eine Sorte sei. Erst wusste Maria nicht recht was er da wissen wollte und kam wieder mit den Worten: “Das ist 2016.” “Nein, wir wollten wissen welche Sorte das ist? Wie heißt die Rebe?” “Ahh, verstehe … Moment … “. Und Maria verschwand eine Weile in der Küche. Maria kam wieder aus der Küche. Maria ging ans Telefon. Maria kam wieder an den Tisch. “Das ist Kokinelli.” Maria strahlte über das ganze Gesicht.
Und am nächsten Abend wurde kein Hauswein mehr bestellt, sondern? “Kokinelli” natürlich! Und Maria freute sich wie ein Schneekönig. “Haa, jetzt weiß ich auch… kann ich jetzt immer sagen das ist Kokinelli!”
Wir hoffen sie nehmen unseren Rat an und schreiben ihn auch noch mal genau so auf ihre Karte. Der hat es verdient bekannt zu werden! Diese Rebe wächst nur auf Kreta.

Adam wurde uns zwei Tage später noch zur großen Hilfe. Aber auch die vielen anderen kleinen Helfer in Küche und dem weiteren Haus, und die, die man gar nicht zu Gesicht bekommt, machen einfach in diesem Hotel eine so gute Arbeit. Da sind wir nur voll des Lobes.

Es braucht dann auch schon gar keinen Aushang mehr in vier Hotels, um auf die benötigte Gästezahl für Adams geliebten griechischen Abend zu kommen. Schon die wenigen Stammgäste übernehmen sehr gern die Werbung für ihn. Und es kann ausgiebig auf der Dachterrasse gefeiert werden. Da lässt es sich Adam trotz leichter Überfüllung und Unzufriedenheit über die Sängerin, wie wir am nächsten Tag von ihm erfuhren, dann trotzdem nicht nehmen mit jedem Gast persönlich anzustoßen. Jamas! und Hoppa!

Und schaut mal was ich im Regal des Restaurants entdeckt habe   

Einen Wollspanner. Bitte – wie soll ich mich in diesem Hotel nicht heimisch fühlen?

 

Lasst es Euch gut gehen.

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