neue nachbarn

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„Wird das denn nicht ein Kulturschock für Euch, hierher zu ziehen?“ wurden wir bei unserer Vorstellung von Nachbarn gefragt.
Bisher blieb er aus. Aber vielleicht kommt da noch was? Wer weiß.

Nun wohnen wir bereits über einen Monat hier. Die meisten Kartons wurden bereits entleert, und damit zieht endlich auch so langsam etwas Gemütlichkeit ein. Wird auch dringend Zeit, so vor Weihnachten, meine ich. Ein paar Kerzen wurden gefunden, andere haben sich auf dem Dachboden verkrümelt, und werden dann nächstes Weihnachten wie neu empfunden. Hat ja auch was. Und da auch noch so vieles seinen Platz finden muss, reicht die Deko im Kleinen dieses Jahr völlig aus.

ein umzug darf auch humorvoll sein – danke dafür, und gern wieder die zettel an den kartons lassen beim abgeben

Ich glaube, so ganz langsam kommen wir hier an.
An manchen Stellen ist es noch etwas provisorisch – aber immerhin: wir wohnen.
Ab jetzt in einem Dorf. In unserem Holzhaus. Unser Haselnusschalet.

Meine Vorstellung der Haselnuss in ihrer kleinen runden bezaubernden Hülle hatte ich schon vor Jahren. Da wusste ich noch nicht dass mein Häuschen auch mal genau vor einem wunderschönen dunklen Haselnussstrauch stehen wird. Es sollte so sein. Dieser große Strauch der Nachbarn steht an unserer Grundstücksgrenze und hat bereits Ableger. Einer davon wanderte in den Vorgarten, als der Nachbar ihn uns im Eimer vor’s Haus stellte. Den zweiten Ableger dürfen wir uns noch holen, aber ich habe noch keinen guten Platz für ihn gefunden. Dann soll er lieber noch eine Weile im Schatten seiner Mutter stehen bleiben und gut gedeihen. Ein Haselnusschalet, umringt von Haselnusssträuchern.

„Kirche, Schuppen – Dorf – jetzt weiß ich wieder warum ich in der Stadt wohnen will.“ meinte ein Handwerker zu uns, beim Blick nach draußen.
„Und ich weiß warum ich das nicht mehr will.“ meine Antwort.

Herrlich ist dieser Blick zum Kirchturm. An das Läuten, so fast vor der Haustür, mussten wir uns etwas gewöhnen, aber das ist machbar. Gehört zum Dorf dazu. Zu unserem Dorf, ab jetzt.

Von ehemals über 600`000 Einwohnern auf gerade mal knapp 500 Nachbarn.
Die nächste Gemeinde 10 Kilometer entfernt und die nächste Einkaufsmöglichkeit 7 Kilometer. Einmal in der Woche kommt das Bäcker- und das Fleischerauto auf den Dorfplatz. Es gibt einen Kinderspielplatz, ein Altenpflegeheim und außerdem ein altes Gutshaus mit großem Park. Und ein Teil dieser ursprünglichen Gutsmauer grenzt unser Grundstück im Norden ein. Diese ist ziemlich marode und die Ziegel fallen teilweise ab, aber selbst das hat seinen Charme. Der Plan ist, die Mauer zuwachsen zu lassen, und wir haben dafür bereits im Sommer die ersten Rosen davor gesetzt.

Das Dorf ist umringt von Maisfeldern. Einige Nachbarn haben Hühner, Kühe und Schafe, oder bauen Bio-Kartoffeln an. Und wir haben einen großen, vor wenigen Jahren zum Waldgebiet Deutschland ausgezeichneten Forst vor der Nase. Wir sind damit mitten in der Natur. Aber vor allem sind wir eins: weit ab von der Großstadt. Weit ab vom Sushi-Lieferdienst.

Hier ist es ruhig und friedlich. Na ja, wenn nicht gerade die Glucke ihr neues Ei vermeldet. Das kann dann schon sehr laut werden und auch lange dauern bis sie damit zufrieden ist es dem gesamten Dorf mitgeteilt zu haben.
Und wahrscheinlich auch nur im Dorf wird morgens um 7.00 Uhr mit seinem Pferd an der Leine Gassi gegangen. Ach herrlich, dieses Dorfleben.

 

Lasst es Euch gut gehen.

alte nachbarn

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Die folgenden Geschehnisse sind schon eine geraume Weile her, als ich sie niederschrieb. Aber doch, anhand der aktuellen Ereignisse wieder so neu, dass ich sie aus dem Fundus holen kann, als wäre es gerade eben passiert. Nur den Titel habe ich nochmal abgeändert. Eigentlich sollte der „einmal würgen bitte“ lauten … aber lest selbst:

Manchmal kann ich gar nicht anders als die Gespräche meiner Nachbarn mitzuhören. Unten im Garten werden tobende Kinder überbrüllt und wieder andere telefonieren hier ringsum laut und unbedarft ganz öffentlich auf ihren Balkonen. Ein Sonnenschirm ist auch kein Lärmschutz.
Familiengeschichten und -streitereien, die letzten Zeugnisnoten, Autoanschaffungen und dafür gezahlte Preise, sowie auch einige Krankheiten – alles dabei was da ungewollt in mein Ohr dringt. Wissen denn diese Nachbarn nicht wieviel man dabei über sie erfährt? Jedenfalls würde ich so manches Mal was drum geben nicht alles wissen zu müssen. Das wenigste davon ist wirklich schön oder interessant. Und einiges lässt doch nur große Fragezeichen zurück.

„Nein, dieses Dreckszeug lasse ich mir nicht spritzen!“ lässt mein Nachbar plötzlich lautstark verhören.
Bereits seit Minuten telefoniert er vor meinem offenen Fenster auf seiner Dachterrasse. Besonders schön: er spricht über die Freisprech Funktion seines Handys oder seines Rechners, und ich kann auch noch seine Gesprächspartnerin ohne Mühe mithören. Leise ging bei ihm auch noch nie irgendetwas.

Erst sprachen sie über seinen letzten Urlaub. Wobei es eigentlich ein gefühlt stundenlanger Monolog seinerseits war. Inhalt: über 400 km auf dem Fahrrad mit Sohnemann rauf an die Ostsee. Doller Hecht! Und dann der verlebte Urlaub einschließlich Bootsausleih für schlappe Tausend Euro in der Woche.
„Hat sich echt gelohnt, zumal die Reinigungsgebühr schon drin war. Nur der Sprit ging extra.“
Schnäppchen!

Als er mal Luft holt kann ich am anderen Ende eine Frauenstimme älteren Jahrgangs ausmachen, und so ruppig wie er mit ihr spricht schließe ich auf eine Kollegin, der da von den Highlights berichtet wird. Doch nun wird er lauter und das Thema wechselt.
„Ich hab’s dir doch schon mal gesagt! Nein, niemals. Kann sich impfen lassen wer will – ich nicht! So ein Dreckszeug, wo keiner weiß was da drin ist!“ kommt es erneut laut von ihm.
Lustig. Mein Nachbar. Ende vierzig und noch bis vor wenigen Jahren Kettenraucher. Jetzt wahrscheinlich zum Öko Guru erwachsen.
„Aber hör mal. Du isst alles Mögliche an Lebensmittel wo du nicht genau weißt was da alles drin ist.“ Höre ich die Gegenseite völlig richtig argumentieren.
„Das kann ja sein. Aber das ist doch hier was völlig anderes. Diese Spaltung, die hier geschaffen wird mache ich nicht mit. Die reden alle so viel Mist, schlimmer noch als früher der Mielke!“ echauffiert er sich.
Als neuer Gesundheitsapostel muss er unbedingt ruhiger werden, sonst wird das nichts.
Die absolut angenehme und ruhige Stimme am anderen Ende der Leitung bleibt weiterhin hartnäckig.
„Ach Junge, das kannst du doch so nicht sagen. Na, vielleicht überlegst du es dir ja noch einmal.“
„Nein Mutter! Das kann ich so sagen! Ihr seht das einfach nicht, was hier abgeht. Aber ihr seid ja auch in einem völlig anderen System aufgewachsen. Ihr kennt es ja nicht anders. Aber man braucht doch nur mal richtig nachzudenken! Man kann sich doch informieren!“
Ja. Sollte man. Immer.

Aber: Mutter? Diesen Tonfall schlägt er gegenüber seiner Mutter an? Ich bin leicht entsetzt und etwas irritiert. Na gut. Hätte ich eigentlich auch drauf kommen können. Der Tonfall ist ja normal bei ihm. Genauso wie vor Jahren bei dem armen Postboten, den er zusammen faltete weil er es gewagt hatte bei ihm zu klingeln und dabei seinen Sohn vom Mittagsschlaf aufzuwecken. „Dank Ihnen habe ich jetzt wieder Stunden damit zu tun ihn zum Schlafen zu kriegen!“ Und das Paket war ja noch nicht mal für ihn.
Klingel abstellen wäre da die einfache Lösung gewesen. Ist er wahrscheinlich nicht drauf gekommen. Später dann schon. Da klingelte der Postbote auch brav bei anderen im Haus um seine Pakete dort abzugeben. So! Blöder Postbote aber auch. Hätte doch wissen können das da oben sein Kind seine mittägliche Ruhe verdient.

Seine Mutter hatte auch keine Chance bei ihm. Einfach falsche Generation. Da braucht man sich nicht weiter mit auseinanderzusetzen. Die verstehen die neue Welt einfach nicht mehr.
Damit waren die Meinungen ausreichend ausgetauscht und das Gespräch alsbald beendet.

Memo im stillen an mich: beim nächsten Treff im Treppenhaus nach der Telefonnummer seiner Mutter fragen. Ich muss unbedingt mal wieder mit vernünftigen Leuten reden.

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Wenige Tage später:

„Nummer 701 bitte noch einmal zu mir ins Zelt.“ höre ich die Schwester rufen. Alle Umstehenden wenden sofort den Blick auf mich. Wie unangenehm. Was ist denn los?
Ich stehe kurzärmlig im Nieselregen vor dem Gebäude der Uni-Klinik und hatte einen erforderlichen Corona Schnelltest machen lassen. Mein Erster und hoffentlich auch letzter.
Ich ging wieder zurück ins Zelt und dachte, da ist jetzt was falsch gelaufen mit dem Test und sie will ihn sicher nochmal machen. Irgendwas vertauscht wahrscheinlich. Bisher erhielten alle Wartenden vor mir unproblematisch den weißen Befreiungszettel und schwirrten schleunigst damit ab.

„Ihr Test schlug positiv an. Setzen sie sich bitte noch einmal hin. Wir machen gleich noch einen PCR Test.“
Wie bitte? Aber da ist jetzt ganz sicher irgendwas vertauscht worden!
„Ich bin doch zwei Mal geimpft!“ kommt ein leiser Protest von mir und sinke dabei auf den Stuhl.
„Das spielt keine Rolle!“ gibt lapidar die Schwester zurück. „Soo, jetzt Mund auf, es kann ein bisschen kratzen.“
Ich weiß gar nicht mehr was ich denken soll.
Draußen bildet sich sofort eine Schlange und ein bedecktes Männergesicht erscheint im Zelteingang. Er schaut sich um warum es denn stockt und blickt dann mitleidig auf mich.
Können die das Zelt nicht wenigstens verschließen? Muss ja nicht gleich jeder alles mitbekommen. Ich bin entsetzt. Darüber, dass ich selbst bei einem Gesichtsschutztragenden sehen kann das es mitleidig guckt!
„Haben sie denn irgendwelche Beschwerden? Halsweh oder Fieber?“
Nichts dergleichen habe ich. Gar nichts!
Die Schwester handhabt den Test routiniert und zügig – bis zum Würgen.
„Soo. Fertig. Sie gehen jetzt bitte ohne Umwege sofort nach Hause und befinden sich nebst ihren Mitbewohnern in sofortiger Charantäne! Morgen bekommen sie einen Anruf von uns mit der Mitteilung ob ihr Test positiv oder negativ war. Stimmt ihre notierte Telefonnummer? Sehen sie lieber nochmal nach.“
Ich kann mich kaum vom Stuhl hochbewegen und fühle mich erstarrt. Meine Gedanken kreisen in alle Richtungen. Ich hatte doch heute noch Pläne. Einkaufen wollte ich auch noch. Aber vor allem war ja da noch der Besuch.
„Dann muss wohl der Krankenbesuch heute ausfallen?“ überlege ich kurz laut.
„Auf alle Fälle! Ist ihr Test aber negativ und sie kommen die nächsten Tage nochmal zum Testen vorbei, dann lassen sie sich unbedingt den anderen Test geben. Soll ich ihnen den mal aufschreiben? Dieser hier testet doch hin und wieder eher positiv, obwohl es dann nicht so ist.“
Hää?
„Setzen sie gleich ihre Maske wieder auf!“ Erinnert sie mich jetzt gleich daran. Vorhin bin ich noch ohne Bedeckung nach draußen, ohne das es einen störte.
Ich kontrolliere wie im Tran meine Telefonnummer nebst Adresse, die bereits fein säuberlich ausgedruckt wurde, und ziehe mit meiner Keks- und Waffeltüte, die für den Krankenbesuch bestimmt waren, etwas betröppelt ab.
Mein Meister kommt mir endlich mit dem Schirm entgegen. Bereit für den geplanten Besuch.
„Was ist?“ Er versucht in meinem Gesicht zu lesen. Ich bin noch etwas sprachlos.
„Nee, oder?“ hält er meine Ansage erst für einen Scherz und grinst.
„Doch. Du bist mit mir in Quarantäne. Ab sofort.“
„Ich wollte noch zum Bäcker.“ Kommt es da auch prompt von ihm und doch rastet so langsam die Fülle der Nachricht bei ihm ein.
„Du weißt aber schon was das bedeutet?“ Ist er wie immer schneller im Denken.
„Was denn noch?“
„Wir haben gleich morgen früh einen Termin mit den Handwerkern im Haus!“
Jetzt wo er es sagt. „Sch….“
„Ja, Sch….!! „Haben die denn gesagt wann sie morgen anrufen?“
„Ne, was ja auch egal ist. Weil du sollst ja zu Hause bleiben.“
„So ein Mist! Das kann doch alles nicht wahr sein. Du hast kein Corona! Der Test stimmt einfach nicht! Weißt du was? Da geh ich jetzt auch hin. Ich mach jetzt auch einen Test und dann werden wir ja sehen.“ Und schon stiebt er davon.
Und es dauert und dauert und dauert. Und dann sehe ich ihn zurück kommen – ohne einen weißen Zettel in der Hand.
„Naaa? Wo ist denn dein Zettelchen? Zeig mal her!“ Ein bisschen Häme kann ich mir nicht verkneifen.
„Ich fand‘s zu schön gleichzeitig mit dir in Quarantäne zu gehen!“ Auch sein Gesicht zeigt nun Fragezeichen.
„Und nun?“
„Die spinnen doch! Ich bin seit ewigen Zeiten doppelt geimpft!! Der Test ist falsch!“

Bei mir war es vielleicht noch möglich. Mein vollständiger Impfschutz ist bis auf wenige Tage noch nicht ganz erreicht. Aber wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit dass bei uns beiden der Test falsch positiv anschlägt?
„Morgen wissen wir mehr. Aber den Handwerkern muss ich erst mal Bescheid geben.“
„Und ich rufe im Krankenhaus an das wir nicht kommen.“

Den ganzen Abend lang sinnieren wir wo wir uns angesteckt haben könnten – falls denn. Wir grübeln mit wem wir alles Kontakt hatten in den letzten Tagen. Und wir überlegen krampfhaft wie so eine Quarantänezeit ablaufen soll. Wer geht einkaufen? Was ist mit Arztterminen? Wann dürften wir wieder auf unsere Baustelle?
Im Krankenhaus machte man sich derweil mehr Sorgen um unser Resultat als darum das der Besuch vorerst ausfallen muss.
Was für ein Abend.

Am nächsten Tag, früh halb acht, bekommt mein Meister als Erster den befreienden Anruf. Eine Viertelstunde später dann auch ich.
„Hier die Uni-Klinik. Ihr PCR Test von gestern war negativ und die Quarantäne ist damit für sie aufgehoben.“

Freuen kann ich mich gar nicht richtig darüber. Was für eine Aufregung.
Nur jetzt schnell neu planen und gleich noch zu den Handwerkern aufs Grundstück.

Der Krankenbesuch in der Klinik ging am Folgetag problemlos über die Bühne. Ohne einen Corona Schnelltest ging ich diesmal gleich zur Anmeldung ins Gebäude und durfte tatsächlich passieren. Ein kurzer Blick auf das Zertifikat im Handy, und mir wurde Einlass gewährt! Mundschutz – Abstand – bitte schön.

Fazit: Manche Vorschriften sollte man nicht allzu ernst nehmen, so richtig sie auch sein mögen. Doch sind wir so froh und erleichtert, dass es kein Ernstfall wurde und wir geschützt sind. Alles was mit Corona zu tun hat ist mehr als doof. Ein Klotz am Bein. Absolut hinderlich. Aber wir sind auch privilegiert zu nennen, dass es dafür eine einfache, für uns kostenfreie Lösung gibt.

Lasst es Euch gut gehen.

frauen die auf zargen starren

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Der gut aussehende Doktor vor mir im TV erzählt und erzählt und ich stelle plötzlich fest: worüber genau redet er denn gerade? Ich habe keine Ahnung und starre weiter gebannt auf den Bildschirm. Aber nicht auf den Mann, sondern auf die schönen Zargen hinter ihm! Die Türrahmen sind es, die mich interessieren.
Das darf ja wohl nicht wahr sein. Früher habe ich mir noch die Kerle genauer betrachtet, heute sehe ich an ihnen glatt vorbei und bleibe verzückt an den Türzargen hängen! Was macht so ein Hausbau mit einem nur?! Und geht das wieder vorüber?

Unsere Türzargen waren aber auch ein Thema für sich.
Da wir gut vorbereitet sein wollen, bestellen wir möglichst beizeiten unsere Baumaterialien. Um den zu langen Lieferzeiten oder Preiserhöhungen aus dem Weg zu gehen. Doch manchmal erweist sich dies eben auch als falsch.
Ganze sechs Türzargen haben wir umsonst bestellt. Die Maße passten nicht, da unser Trockenbauer eine andere Wanddicke einbaute als wir annahmen. Wir hätten warten können – sollen, ja, und erst dann messen wenn die Wände fertig eingebaut sind. Jetzt sind wir auch schlauer. Zu spät.
Nun mussten neue Türzargen her. Zurückgeben ist nicht, aber einen kleinen Rabatt bei der Neubestellung konnten wir zumindest rausschlagen. Ein kleiner notwendiger Trost. Nur nehmen uns jetzt trotzdem sechs Zargen unnötig Platz weg. Haben wollte sie bisher auch noch keiner.

Und als ob das nicht schon schlimm genug war, ließ uns dann obendrein auch noch der Türbauer hängen und sagte kurzfristig ab. Natürlich war auf die Schnelle kein Anderer zu finden, und so blieb uns gar nichts anderes übrig als die Zargen, nebst Türen, selbst einzubauen. Und das Fazit: es ging besser als gedacht. Eine gute Anleitung vom Hersteller und etwas Geduld, mit reichlich Zargen- und Bauschaum, und die Türen sind fein in ihren Zargen drin. Holdrio!

Ich hatte ganz eigene Vorstellungen von dem Einkauf einer Inneneinrichtung. Aber es kam anders. Mir hat es keinen Spass gemacht sämtliche Baumärkte nach Fliesen abzugrasen. Auch in der Badausstellung lief ich mir die Füße wund und fand nicht die gewünschten Sanitärartikel, sondern musste jeweils das nehmen was nach Mass reinpasst. Auch wenn die Auswahl dann auf gerade einen Artikel fällt.
Ungewollt bekamen wir einiges nur im Netz. Und letztlich sind wir dann, wie in einer Tanke für das schnelle Bier, rein – Waschbecken unter den Arm geklemmt – und bloß schnell wieder raus! Zum Teil weil wir keine Zeit hatten, oder nur keinen Nerv mehr, länger über etwas nachzudenken, was am Schluss einfach nur ein Gebrauchsartikel sein soll und keine Designerware zum vorzeigen. 

Derzeit ist es für uns unwirklich, dass der Bau seinem Ende entgegensieht. Kleinigkeiten sind noch zu machen, haben aber Zeit.
Wir haben so viel dazugelernt. Aber auch so viele Nerven gelassen. Vieles hat uns aber auch erfreut.
Nicht alles was wir uns vorgestellt hatten war auch genau so umsetzbar. Viele viele Kompromisse mussten wir eingehen – leider. Aber alles in allem befinden wir uns auf der Zielgeraden. Und das ist jetzt das Wichtigste.

Das Ende ist nun absehbar und keiner hat größere Blessuren erhalten oder ist zu Schaden gekommen.
Es wird derzeit noch alles begradigt und bereinigt.
Die Wohnung ist gekündigt.
Auf ein Neues.

Lasst es Euch gut gehen.

wo sind die handwerker

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Das erste große Glücksgefühl als die ersten zwei Steckdosen angeschlossen sind. Dann ein Wasserhahn. Unbeschreiblich. Stück für Stück werden wir autark mit unserer Insel. Es hat gedauert. Sehr lange. An unserer Ungeduld hat das nichts geändert.

Corona kann ja für manches als Ausrede erhalten, aber eben nicht für alles. Ja doch, es sind schwierige Zeiten. Charantäne, Einreisebestimmungen, Abstandregeln. Überall müssen neue Wege gefunden werden.
Handwerksfirmen suchen seit Jahren nach Personal. Das ist nicht neu. Und nun bleiben auch noch die wenigen verfügbaren Handwerker wegen Corona zu Hause.

Für unsere estländischen Arbeiter gab es Einreisebestimmungen, die auch eine Charantäne beinhalteten sobald sie nach Deutschland kommen wollen. Wir konnten nicht nachweisen ob ein Arbeitsteam bereits hier oder noch in Österreich ist.  Versprochen wurde uns immer wieder erneut dass bald jemand käme um die Arbeiten zu beenden. Corona gab es nun auch lange genug um sich entsprechend darauf einstellen zu können.
Nein, das war sicher nicht der alleinige Grund des Nichterscheinens. Es waren eher die weiteren offenen Baustellen, die der Estländer bedienen musste, aber nur schwer konnte. Er hatte sich mit seinen Aufträgen verzettelt. Wieviel Verständnis muss der Kunde dann aufbringen?
In einem Bewertungsportal fand ich heraus das vor Weihnachten auch auf einer Baustelle in der Nähe von Wien gebaut wurde  – und – welche Überraschung, auch diese Baustelle Verliesen sie alsbald um anderswo einen LKW abzuladen. Und auch da wusste oder sagte man keinen neuen Termin des Weiterbaus zu. Ein Haus mit offener Zwischendecke und offenem Dach ließen sie dort zurück.

Über ein Vierteljahr war verstrichen und auf der Baustelle tat sich nichts. Immer wieder wurden wir vertröstet das Bau-Team käme sobald wie möglich. Corona bedingt wäre die Einreise nicht machbar. Bis uns im März ‚endlich‘ gesagt wurde wir sollen uns eigene Handwerker suchen die die Restarbeiten erledigen.
Das wäre für uns im Januar einfacher gewesen. Nun im März war es das nicht mehr.
Der Trockenbauer wollte den Auftrag dennoch gern ausführen und wir hofften auf baldige Beendigung der gröbsten Arbeiten.
Was war das alles zäh.

Vom estländischen Team sind die Balkontüren vertauscht eingebaut worden und mussten gewechselt werden. Alle Fenster mussten noch justiert und abgedichtet werden. Dann wurden endlich auch die wichtigsten Trockenwände gestellt, damit die Kabel und Leitungen verlegt werden konnten.
Alle Gewerke, die wir schon vor Monaten im Haus hatten mussten sich jetzt nach unseren neuen Terminen richten. Nicht alle konnten das problemlos.
Der Trockenbauer kam dabei richtig ins Schlingern. Auch Corona bedingt – wie er sagte. So sehr, dass er letztlich nur noch einen Mitarbeiter und nur Samstag zum Arbeiten zu uns schickte. Jeder kann sich denken wie lange dann Fortschritte brauchen. Mancher Laie hat dabei in Feierabendarbeit mehr geschafft.
Und immer wenn wir denken es ist schon schlimm genug, legt noch einer eine Schippe drauf.
Plötzlich kam gar kein Trockenbauer mehr. Wochenlang passierte wieder nichts. Corona sei Dank. Alle in Quarantäne. Was soll man machen? Handwerker können wir uns nicht herzaubern. Und deren Arbeit hätten wir nur zu gern gemacht, wenn wir könnten. Wer baut aber auch in Corona Zeiten?

Der Fliesenleger schaute vorbei, der Klempner hielt seinen Kopf durch die Tür. Nützte alles nichts. Macht der Trockenbauer nicht weiter, ruht die ganze Baustelle. Und auch da wieder: Versprechungen und Beteuerungen von ihm, und dann noch schlimmer: gar keine Reaktion mehr. Sein Handy sei ihm ins Wasser gefallen!

Die Zeit rann uns nur so durch die Finger. Monat um Monat verging. Und von fast jedem weiteren Handwerker dann gleich die bange Frage wann wir denn einziehen wollen. „Schon lange“ unsere immerwährende Standardantwort.

Aber auch die Behörden verhielten sich nicht besser. Die Kommunen ließen genauso auf sich warten ihre Arbeiten zu erledigen. Wir feierten jede Benachrichtigung über Wasser- oder Stromanschluss – nach einem dreiviertel Jahr der Beantragung!

Nun sind wir des handwerklichen zum Glück nicht ganz ungeschickt und konnten einiges bereits selber machen. Den Kabelanschluss über die Decke raus aus dem Haus zum Gartenhaus und hin zum Eingang für die Klingel. Steckdosen und Lampenanbringung in der Laube. Holzverkleidungen rund ums Fundament des Hauses. Und dann unsere Fensterbretter. Alle Fenster erhielten vor dem Trockenbau ein Buchenbrett. Fast jedes in einer anderen Größe. Mal tiefer und auch mal breiter, je nach Raum. Immer schöner wenn man es selber machen kann.

Eine große Freude hatten wir beim Hausbau bei einem Blick in den Dachstuhl. Kaum das die Dachsparren gesetzt waren, sahen wir da oben die Möglichkeit eines spitzen Dachbodens. Welch ein Glück aber auch. Denn wer braucht in einem Haus keinen Boden? Ein paar Dinge sind ja doch unterzubringen.
So machten wir uns gleich nach der Kabellegung auch daran den Dachboden zu bauen. Holz hatten wir noch genug übrig.

Und weil auch dafür kein Handwerker mehr Zeit hatte, bauten wir uns auch den Revisionsschacht selbst. Eine ca. 1,50m große Holzkiste, unten ausgesägt für das Rohr mittendurch, und mit einer Steinplatte hübsch abgedeckt.
Wäre ich auch im Leben nie drauf gekommen, was es auf einem Grundstück alles braucht.

Es wanderten bereits im Sommer die ersten Pflanzen in den Garten, wie zum Beispiel unsere Olive, der weiße Flieder und die gezogene Wollmispel. Und auch die marokkanische Minze in ihrem zu engen Topf fand viel neuen Platz und wurde schon oft geerntet. Haach, was haben alle nur darauf gewartet. Indes wuchert die wilde Wiese hinterm Haus vor sich hin und beherbergt Hummeln, Käfer und Schmetterlinge ohne Ende. Wenigstens ihnen wollten wir schon ein buntes Zuhause bieten.

Lasst es Euch gut gehen.

ein haus in der bredouille

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Die Estländer haben Nerven, und die Ruhe weg. Aber vor allem Humor.

Klar hat man nun so seine ganz eigenen Vorstellungen von einem Montageteam so eines Häuslebauers: mindestens 4-5 Leute, alle fein mit Helm auf dem Kopf, stets im emsigen Gewusel zwischen Haus und Lagerstätte und umgekehrt. Begleitet von Anweisungen in Baustellenmanier, dass sich ein Laie die Ohren zuhält…

Doch dann stehen im November 2 Arbeiter und ein halbe Kraft vor uns, mit Strickmützen auf dem Kopf und kurzärmlig im T-Shirt. Einer stehend auf den Dachbalken, der andere gerade noch mit einem Fuß auf einer Haushaltstrittleiter, um die Dachsparren zu verrücken und zu befestigen, dass es bei diesem Anblick einen Arbeitsschutzinspektor ins plötzliche Koma hauen würde. Auf einen Schlag kann man kurz gläubig werden und beten dass jetzt nichts Schlimmeres passiert. Der kleine Handlanger hält wie zur Beruhigung die Leiter und reicht abwechselnd Blechwinkel und Schrauben hoch. Ist es erschreckend, dass das Ganze auch noch so routiniert wirkt? Selbst unser Nachbar hat ein Einsehen und stellt ihnen ungefragt seine lange Holzleiter an die Wand. Wir tun es ihm gleich und rüsten die Truppe noch mit unserer höhenverstellbaren kippsicheren Baustellenleiter aus.

Sie verschwinden, und eine Woche lang hören und sehen wir nichts mehr von ihnen bis plötzlich ein Anruf kommt wo denn der Kran bliebe? Der LKW mit einer weiteren Ladung stände vor dem Tor und sie möchten abladen.
Dabei hatte uns vorher niemand etwas von einer zweiten Lieferung erzählt und schon gar nicht von einem weiteren benötigtem Kran. Ad hoc geht da schon mal gar nichts. So ein Kran ist beliebt und möchte ein halbes Jahr vorher wissen dass er gebraucht wird. Und ob sie es nun glauben oder auch nicht – da müssen sie nun selbst ran.
Wir finden am Abend eine Menge Packstücke mit über 5 Meter langen Holzlatten und auch weitere 2 Paletten mit Rigipsplatten vor dem Haus. Von Handwerkern aber weiterhin keine Spur.

Erst Mitte Dezember kamen sie noch einmal auf unsere Baustelle zurück. Einen ganzen Nachmittag und am darauffolgendem Tag den ganzen Vormittag, gaben sie nochmal alles. Aber nicht nur unsere terminliche Verabredung für den Nachmittag ließen sie danach links liegen und verschwanden. Und diesmal für immer.

Zu unserem Glück hatten wir uns beizeiten um einen Dachdecker bemüht, der parat stand und uns jetzt schnell das Dach winterfest fertig deckte, bevor der Schnee kam. Und es fiel reichlich Schnee Anfang des Jahres. Die Dachunterstände waren noch offen und der Wind und später dann der Sturm zerrten unentwegt an der Unterspannbahn. Es zog durch alle Ritzen. Es wurde eiskalt.
Am Weihnachtstag kam schnell noch einmal unser Tiefbauer vorbei und verlängerte provisorisch die Regenrohre, um mögliches Wasser vom Haus wegzuführen, damit es nicht ins Fundament läuft.

Wir holten im Januar bei 2 Grad alle 60 Dämmmattenrollen aus dem Vorgarten ins Haus. Was sicher nicht jeder Maus gefiel. Denn mindestens eine hatte sich durch die Folie genagt und sich dort ein kuscheliges warmes Winterquartier angelegt. So leid es uns tat – die Rollen mussten dringend ins Trockene. Wasserdicht sind die nicht verpackt. Was waren wir danach aber fertig!
Wir holten auch zum wiederholten Mal das 5 Meter lange Bauholz ins trockene Haus. Immer wieder, und bei jedem Wetter, wurde es von den Handwerkern einfach vor die Tür geschmissen um Platz zum Ausbau zu erhalten. Aber da hätte es auch andere Möglichkeiten gegeben das Holz aus diesem einen offenen Paket nach Arbeitsschluss gut und sicher unterzubringen. Was waren wir auch da jedesmal fertig!
Wir schlugen auch zum wiederholten Mal draußen vorm Haus die geöffneten Holzpakete wieder ordentlich mit der Plane zu und beschwerten diese.
Die Rigipsplatten zweier Paletten trugen wir einzeln ins Haus. Über die beiden anderen Rigips Paletten im Vorgarten möchte ich nichts weiter sagen. Ein großer Teil war später nicht mehr zu verwenden. Wir haben alles getan was in unserer Macht stand und was unser Platz hergab.

Und dann gibt es doch noch unerwartet diese schönen Momente. Diese, in denen mein Herz aufgeht und plötzlich auch all diese Plackerei und der Ärger für eine Weile vergessen ist. Und es auch so angenehm ist, festzustellen, dass andere Leute genauso ticken wie man selbst.
Ich bin gerade im Haus und bugsiere schweißtreibend die großen schweren Dämmrollen, die mir mein Meister reinrollt, an ihren Platz. Da höre ich meinen Meister draußen mit einem älteren Paar reden. Üblicherweise sind es die Fragen nach dem Termin der Fertigstellung und des Einzugs. Hier aber plötzlich anders und völlig neu:
„Wir freuen uns das sie hier her ziehen.“ höre ich da und stutze.
Und weiter: „Ihr Haus ist ja so schön. Das hat uns gleich gefallen. Wir haben es uns schon ein paar Mal angeschaut. Und es riecht so gut.“
Wirklich? Habe ich das gerade wirklich gehört? Es riecht so gut? DAS hat noch jemand bemerkt? Und man freut sich auf unseren Einzug? Haach… tut das gut.
Und die Unterspannbahn des Häuschens knistert leise.

Lasst es Euch gut gehen.

ein pool, ein pool

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„Ein bauender Laie ist stärker belastet als ein Testpilot!“ hörte ich mal und ist ja auch so wahr.

Zuerst war der viel zu späte anvisierte Termin der Hausaufstellung das Problem, dann wurde es terminlich mit der Bodenplatte problematisch, und auf einmal war selbst der Bodenaushub das größte Problem. Wir planten Vorn, und Hinten fiel alles zusammen. Hatten wir wieder Hinten im Griff, klappten die Termine Vorne nicht mehr. Die gesamte Bauzeit über zog sich das durch. Und eben genau da wollten wir nie und nimmer hin: alle Gewerke schön in baulicher Ordnung unter einen Hut bringen. Mein Meister wurde immer mehr zum Zirkusdompteur und verdiente sich Applaus im Jonglieren.

Und ich lernte nun zunehmend viele Baubegriffe wie Bewehrung und Armierungsstahl kennen, und auch Rückschlagventil und Revisionsschacht.

Immer wieder standen wir mit neuen Handwerkern zur Besichtigung auf dem Grundstück. Und das größere Problem war dabei nie die Verrichtung oder der Preis, sondern immer nur der Termin der Durchführung. Gibt es dann noch Alternativen? Nein! Wir entscheiden uns danach wer es alsbald erledigen kann. Welche Qualität die Arbeit derer hat können wir im Vorfeld eh nicht beurteilen. Also gehen wir schlicht nach dem Bauchgefühl vor und hoffen dann das Beste.

Unser gewählter Tiefbauer entpuppte sich als unser größter Gewinn. Und das bis heute. Tritt ein bauliches Problem auf welches in sein vielfältiges Resort fällt, löst er es im nächsten freien Moment. Und mit einer Qualität, die nicht alle gewohnt sind.

Unsere Bodenplatte ist eine Thermoplatte, auch Schwedenplatte genannt. Diese wird in einer Styrodur Hartschaum-Isolierschale mit verlegter Flächenheizung fix und fertig in Beton gegossen. Diese Platten stellen in Deutschland allein drei Firmen her und daher war es auch nicht ganz einfach einen Termin zu ergattern. Wer konnte ahnen, dass sie für das nächste halbe Jahr komplett ausgebucht sind? Aber auch hier war es schließlich von Vorteil ein kleines Haus bauen zu wollen, denn auch hier versicherte man uns schnell, was möglich zu machen sobald es geht, und unsere kleine Platte „dazwischen zu schieben“. Das ging dann auch fixer als wir uns erhofften und prompt kamen wir in Zeitnot mit der vorherigen Bodenbearbeitung für den tragfähigen Untergrund.

Ein einziger Tiefbauer hatte die Möglichkeit uns sofort den Aushub und die Bodenaufschichtung zu machen, und wir willigten hocherfreut ein. Es wurde auch höchste Eisenbahn. Aber sie gaben Alles um den Termin zu schaffen.
Die Jungs aus Bürstadt von der Bodenplatte legten bereits vorn die Kantenteile der Wanne, während hinten unser Tiefbauer noch auf Knien den Feinsplit glatt schob. Dafür wurde er aber auch nach Beendigung sofort gelobt, denn so eine ordentliche Kantenbearbeitung und Feinplanung hatten die Bodenplattenbauer auch noch nie erlebt.

Wiederum hatte sich der Tiefbauer gefreut, trotz vager Gewissheit doch eine so genaue Angabe des erschlossenen Abwasserkanals zu erhalten. Die Lage war vom Vorbesitzer unserer Wiese nur mit einer Eisenstange im Boden gekennzeichnet worden, um die wir schon einige Male mühevoll, aber achtsam herum Rasen mähten. Wir wollten es ja selbst kaum glauben. Aber die Begeisterung war groß, wirklich auf einen gelegten Kanal zu stoßen, wenn er dann auch viel tiefer war als angenommen. Aber anderswo gäbe es deutlichere Zeichen und es wurden schon Tonnen von Erde bewegt nur um festzustellen: Nix da! Keine gelegte Leitung zu finden. Wohin buddelt man dann, und wie lange? Hier versprach man uns geduldig weit nach unten auszuheben und wurde schließlich auch belohnt. Alle waren glücklich.
Es lief wie Hanne. Alle Abnahmen erfolgten ohne unsere Anwesenheit. Bodentests zur Tragfähigkeit wurden gemacht und der Abwasserkanal einschließlich Gulli wurden behördlich abgenommen. Wir bekamen lediglich die Unterlagen zur Dokumentation ausgehändigt.
Selbst als ein altes aber noch für vier Anrainer funktionsfähiges Fernsehkabel im Boden aufgespürt wurde. Der Ortselektriker kam flugs angerannt, als er von Nachbarn von dem Beginn der Bodenbuddelei erfuhr und angerufen wurde, und wollte größeren Schaden verhindern. Die Bauleute palaverten dann unter sich über die Vorgehensweise. Wir standen außen vor. Man einigte sich darauf das Kabel zu verlängern, etwas zu verlegen und dann wieder einzubuddeln. Dort läge es am besten und am sichersten.

Und spätestens jetzt kamen auch die Nachbarn zum Gucken. Tiefe Löcher müssen eine unheimliche Anziehungskraft besitzen. „Das wird wohl ein Pool?“ fragte gleich der Erste beim Anblick in den Schacht des Abwasserrohrs. „Ja, ja! Wir wollen vorbereitet sein.“ Plänkelte unser Gespräch so dahin. „Ahh, der Pool ist auch schon fertig!“ Machte auch der zweite Nachbar seinen Begrüßungsscherz. Wieder belustigt gaben wir auch ihm zur Antwort: „Na sicher! Muss sein!“ Der Dritte kam: „ Und einen Pool gibt es auch schon!“, und dann der Vierte. Die Nachbarn hatten kurzerhand ihren Spaß unter sich.

Was kann unser Tiefbauer aber auch gerade Gruben! Da macht ihm keiner was vor.
Einige Wochen später buddelte er auch noch das Loch für eine Zisterne und eine angrenzende Rigole zur geforderten Versickerung des Regenwassers. Schnurgerade über 2 Meter tief in den Boden. Und Ihr könnt es Euch schon denken. Ein Nachbar kam des Wegs und sagte: …..

Lasst es Euch gut gehen.

endlich ein haus

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Und wie nun weiter?
Nach langer Zeit des Suchens stellten wir bald fest: Für uns gab es kein fertiges Haus. Keins der besichtigten Häuser könnten wir so umbauen dass wir damit glücklich würden. Das wurde uns von mal zu mal immer klarer. Doch was nun?

Nein, immer noch nicht selbst bauen. Viel zu viel Aufwand. Einfach nur eins hinstellen – das muss doch möglich sein. Und das ist es auch! Mit einem Mobilheim.
Ich sah einen Fernsehbericht, bei dem eine Familie, in einem dieser kleinen Häuser auf Rädern, auf einem Campingplatz wohnt. Hoch oben am Hang mit super Aussicht auf einen Fluss. So ein Plätzchen ist auch nur dort bezahlbar.
Aber so ein Mobilheim wäre doch denkbar. Unterschiedliche Größen und beste Ausstattungen gibt es zur Wahl. Aber ein Campingplatz mit einem Dauerstellplatz als erste Wohnadresse? Die sind rar und leider immer noch strittig.

Also doch zuerst die konkrete Suche nach einem Grundstück!
Auf unsere Anzeige hin meldete sich ein älteres Ehepaar um die angrenzende Fläche loszuwerden, damit sie nicht endlos darauf nur Rasen mähen müssen. Es war auch nicht sofort unser Traumgrundstück, doch lies es uns nicht los. Einige Besichtigungen später kamen wir zur Wiese zurück und nahmen ernsthaft Maß für ein Mobilheim.
Wir haben kein Problem mit wenig Platz. Beim kräftigen Aussortieren und Reduzieren sind wir nun schon eine ganze Weile. Das ist eher ein Anreiz mehr für uns, weiterhin mit Besitztümern abzuspecken. Doch wir haben noch nie in einem Mobilheim gestanden, und wollen jetzt gleich dauerhaft in eins einziehen? Vielleicht sollte man es sich vorher doch mal ansehen?

Seit Wochen betrieb mein Meister bereits Recherchen und machte einen Holländer ausfindig, der gut aussehende Mobilheime baut. Das hieß dann alsbald in die Niederlande zu reisen und vor Ort zu besichtigen und beraten zu lassen. Und die Häuser waren auch wirklich schön und praktisch und in auskömmlichen Größen. Doch der Zuschlag für die Winterdämmung, die hier nach Bauschrift gefordert wird, ließ uns etwas fragend zurück. Die Niederländer zeigten auch so gar keine Freude an Privat nach Deutschland zu verkaufen. Und wir verstanden schnell dass man uns hier freundlichst abwimmeln wollte.

Aber es war noch nicht alles verloren. Auch einen deutschen Anbieter von Mobilheimen gab es. Dieser baute ziemlich ähnliche Häuser, und sogar aus Holz. Und er kannte sich bereits mit Bauvorschriften und Bauanträgen für private Plätze aus. Dort kam man unseren Plänen schnell entgegen und wir unterschrieben den Vertrag.
Nun kauften wir unsere Wiese und stellten den Bauantrag. Doch dann wurde es sehr ruhig seitens der Hausbau Firma.
Wir telefonierten uns die Finger wund um an alle benötigen Unterlagen zu kommen und wurden ständig vertröstet. Das Bauamt war uns auch keine Hilfe mit seinen unsinnigen Forderungen wie z.B. Fotos von Nachbargrundstücken und Fragen zu entfernt liegenden Unternehmen. Uns lief immer mehr Zeit davon ohne dass sich etwas tat. Verzweiflung und Ratlosigkeit wechselten sich ab. Zu erreichen war in der Hausbau Firma letztlich nur noch der freie Verkäufer, der uns auch nicht weiter betreuen konnte, uns aber bald zum persönlichen Gespräch bat. Da ahnten wir schon den Ausgang.

Und nur weil wir noch keine Anzahlung leisteten, kamen wir hier glimpflich davon. Das ging nicht allen so. Der Verkäufer versuchte noch, dort wo er konnte warnend einzugreifen, da er selbst noch Honorare zu bekommen hatte. Aber letztlich konnte auch er nur einen kleinen Teil der Kundschaft davor bewahren mehrere tausend Euro in den Wind zu schießen. Er selbst hatte schweren Herzens gegen seinen Arbeitgeber eine Anzeige wegen Insolvenzverschleppung aufgegeben. Und kurz nach unserem Treffen war die Internetseite der Firma abgeschaltet. Wir aber bekamen immer noch Mails und Briefe mit Drohungen, doch schnellstens die entstandenen Statiker Leistungen für den Bauantrag zu bezahlen. Bei einem Fertighaus! Nein, so führt man dauerhaft keine Geschäfte. Oder doch? Die Firma firmierte kurzerhand später unter neuem Namen weiter. Doch jetzt scheint es sie wirklich nicht mehr zu geben.

Wir aber hatten einen neuen Plan. Ein Haus aus Holz sollte es sein. Nach unserem Maß. Minimal in der Größe, maximalst nachhaltig. Und den Innenausbau müssen wir übernehmen.

Dabei fiel mir immer wieder Anne Donath ein. Meine ureigene Pionierin des Minimalismus. Die Frau, die mit 45 Jahren in ihr Holzhaus mit gerade mal 16 qm zog. „Ich kaufte mir eine Wiese und stellte darauf mein Haus.“ Ja, so sollte es sein.

Ich fand sie derart inspirierend, als ich den Beitrag 2012 sah, dass ich mir auch gleich ihr Buch „Wer wandert, braucht nur, was er tragen kann.“ bestellte. So wohltuend, wie sie beschreibt wie wenig der Mensch für sein Leben benötigt. „Die Tuareg bauen sich in vier Tagen eine Schilfhütte, die ihren Bedürfnissen genügt. Und wenn sie doch eines Tages der Sturm mitnimmt, so ist nicht viel verloren. Wir dagegen bauen uns aufwendige Wohnmaschinen, für die wir uns über Jahrzehnte verschulden müssen. Und deren Unterhalt uns für den Rest unseres Lebens in die Pflicht nimmt.“
Und ich kann mich gut erinnern wie sie sich in dem Beitrag darüber freute, keins dieser großen Häuser, die sich in ihrer Nähe befanden, zu besitzen und damit auch nicht putzen zu müssen. Damit hatte sie ja so Recht. Ich mache mich nicht zur Sklavin meines Hauses.

An ein Tiny Haus mit vielleicht 25 qm trauen wir uns zu zweit nun auch nicht ran. Mein Meister muss ja sein eigenes Büro haben. Aber klein könnte und sollte es insgesamt schon werden. Und damit auch mit Altersrente bezahlbar bleiben. Auch Wasser und Strom sollte es geben.

Wir fanden eine estländische Firma, die typische nordische Häuser herstellt. Zum Verlieben schön. So wie bei Pippi Langstrumpf. Holzhäuser, wenn gewünscht in leuchtendem Rot mit weißen Akzenten. Ja, diese Art Haus konnte ich mir gut vorstellen. Also versuchten wir es mit dieser Firma auf ein Neues.
Wir wechselten unseren Baubetreuer, der sofort besser mit dem Bauamt kommunizierte und brachten alle Unterlagen zügig zusammen. Und in der letzten möglichen Woche des angesetzten Termins erhielten wir tatsächlich die Bauzusage! Dann kann es ja los gehen!

Im November stand der LKW mit den Teilen des Hauses vor dem Tor. Wir hatten auch so ein Glück mit dem Wetter. Ein georderter Kran lud die vorgefertigten Wände ab, die längste 13 Meter, und stellte sie behutsam auf die Bodenplatte. Bis zum Dunkelwerden arbeitete das Montageteam, bestehend aus 3 Jungs, die nächsten 3 Tage am Aufbau unseres Hauses.

Am dritten Tag, im stockdunklen Abend, hielten wir die Taschenlampe des Handys hoch zur Hauswand, damit dort noch schnell die letzte Planke an der Außenverkleidung angeschraubt werden konnte, denn sie wollten plötzlich wieder los. An einen uns nicht benannten Ort. Aber um dort einen LKW abzuladen, wie sie uns verrieten. In zwei, maximal drei Tagen wären sie wieder hier.

Unser Dach, wie auch alle Fenster, waren nur mit Folie abgedeckt und verklebt. Der Hauseingang stand offen. Die Rigips Trockenwände und die Rollen der Dämmwolle lagen im Vorgarten.
„See you soon.“  – und schon fuhren die Estländer vom Hof. Die nächsten Wochen hörten wir nichts mehr von ihnen und der Winter kam.

Fortsetzung folgt …

Lasst es Euch gut gehen.

 

ein paar am rande des wahnsinns

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Hier im Blog war es über lange Zeit ganz still, aber unterdessen ging es heiß her bei uns. Es wurde hier immer wieder wild diskutiert und auch laut gestritten. Dann wurde mal einfach nur entnervt in der Ecke gehockt und am Geduldsfaden geknabbert. Wir wechselten die letzten Monate ständig die Gefühle. Von schrecklich aufgeregt über hoch erfreut, bis hin zu einfach nur wütend und völlig mutlos und verzweifelt.

Und warum das alles? Nun, wir versuchen doch noch einmal, uns eine neue Heimat zu erschaffen. Wir bauen uns ein Haus mitten im nirgendwo. Und wer selbst schon einmal gebaut hat, weiß wie das an den Nerven zerrt.
Aber nun endlich, beim dritten Versuch, scheint es wirklich wahr zu werden. Das Ganze hat eine Vorgeschichte von 20 Jahren.

Unseren ersten Bauantrag stellten wir 2001.
Mit der Zusicherung eines positiven Bau-Vorbescheids kauften wir ein Stück Land in der zweiten Reihe, in einer kleinen Gemeinde gelegen. Wir ließen das Grundstück vermessen und eintragen, besorgten uns Gehwegplatten und bauten sofort einen kleinen Schuppen darauf. Das dringendste ist eine gute Unterstellmöglichkeit für die erste Bauzeit. Gleich danach brachten wir auch unsere gut aufgepäppelten Erdbeerpflanzen an den neuen Standort. Alles schien so sicher.
Dieser Vorbescheid aber zählte plötzlich nichts mehr. Obwohl nach erster Sichtung der kompletten Bauunterlagen schon hätte gesagt werden können, dass die Chancen eines Baus an diesem Ort nicht so gut stehen, wurde uns über Wochen hin, trotz ständiger Nachfrage, immer wieder das Gegenteil glaubhaft gemacht. Des Weiteren unterschlug uns der Notar (üblich vom verkäufer gewählt) dann auch noch wichtige Eigentumsverhältnisse, und auch alle weiteren Bemühungen, wie z.B. die zweite Reihe wie vorgeschrieben mit Feuerwehr- und sonstigen Notzufahrten zu versehen, schlugen letztlich fehl. Die Stadt Delitzsch wollte uns einfach nicht dort bauen lassen. Und nur weil der Verkäufer so schnell wie möglich nach Paraguay auswandern wollte, und der Schiffscontainer bereits zum beladen auf dem Hof stand, konnten wir den Kauf schnell rückgängig machen. Alles was uns noch blieb waren viele Kosten.
Dabei mussten wir aber sowieso aus der damaligen Wohnung raus. Nach nicht einmal 2 Jahren Wohnzeit. Es war eine Schimmelwohnung, wie sich nach und nach zeigte. Ach, was sag ich. Es war ein ganzes Schimmelhaus. Bis hinunter in den Keller mit der Tiefgarage. Dort, an der Wand neben den Fahrzeugen, war genauestens dokumentiert wie lange schon Wasser durch die Wand eindringt und an ihr abläuft. Mal mehr, mal weniger, je nach Regenguss. Es sei aber alles im Griff und völlig normal, wurde uns versichert. Das stehe unter Kontrolle, und das Haus sei dahingehend begutachtet und saniert. Das zeigte sich aber gegenteilig. Denn wir hatten kurzerhand in allen Zimmern Schimmel an den Wänden und in den Schränken. Die Nachbarn gegenüber ergriffen nun bereits die Flucht und zogen aus und wir hätten es ihnen gleichtun sollen. Stattdessen besuchten wir einen Anwalt. Dieser gab grünes Licht und sah uns auf der Siegerseite. Schließlich hatten wir einiges in die Wohnung investiert was jetzt müllreif wurde, wie z.B. der gesamte Laminatboden. Der Vermieter aber zuckte sich nicht, und uns riet man die Nebenkosten einzubehalten. Erst einen Teil, dann gesamt. Darauf klagte er auf falsches Lüftungsverhalten und fristlose Kündigung, und das Ganze landete vor Gericht. Doch auch hier lehrte man unseren Anwalt eines besseren und holte ihn aus dem Himmel der Beständigkeit der bisher erlebten Urteile.
Die Richterin, die ohne Umwege zu unseren Gunsten einen Vergleich anstrebte, wurde beim zweiten Gerichtstermin von diesem Fall abgezogen und durch eine neue ersetzt. Und damit begann das Trauerspiel. Unsägliche Monate zogen sich hin, in denen keiner von uns noch zum Briefkasten wollte. Aber das allerschlimmste war dabei für uns: In genau diesen Monaten verloren wir unseren Glauben in den Rechtsstaat. Und das bis heute. Dies war kein Richterspruch im Namen des Volkes! Niemals! Das Ganze war eine Farce, was wir da bei Gericht erlebten, was teilweise an eine schlechte Komödie erinnerte.
Die neue Richterin empfing gleich am ersten Tag den unabhängigen Gutachter überfreundlich mit den Worten: „Ach, Herr M. das wir uns wiedersehen freut mich aber sehr. Wir haben ja schon so lange miteinander zu tun und kennen uns nun schon so gut. Mit ihnen habe ich so oft zusammen gearbeitet. Wann war unser letztes Zusammentreffen? Na, dann werden wir uns wieder prima zuarbeiten. Ich freue mich auf die erneute gemeinsame Arbeit. Wir werden uns auch hier wieder gut verständigen.“
Das taten sie dann auch! So gut, dass der Gutachter zum Beispiel falsche Inhalte unserer Wohnung wiedergab, oder auch einfach etwas zu Rechnung brachte was nie Gegenstand seiner Leistung war. Etwaige Messungen gar, Vor-Ort Begehungen, die nie stattfanden, oder eine Menge von Farbfotos, die er gemacht haben will, die aber nie irgendwo auftauchten. Sollten wir da noch den vielen aufgezeichneten Arbeitsstunden glauben?
Dem von uns eigens bestellten Gegengutachten vom TÜV Rheinland wurde erst gar nicht Beachtung geschenkt – klar. Und wie ernüchternd, dass der Zeuge, den wir bestellten, vor Gericht zu Gunsten des Vermieters aussagte. Und auch komisch, dass der Vermieter dieser Wohnanlage nie selbst vor Gericht auftauchen musste. Lag das alles daran, dass er Miteigentümer und Geschäftsführer des nahegelegenen Einkaufspark und Hotel ist, und sogar eine der dortigen Straßen den Namen seines Vaters bekommen durfte? Ein Schelm, wer da an irgendwelche Beeinflussungen denkt. David gegen Goliat, immer noch und immer wieder.

Nun lief dabei bei uns im Hintergrund aber bereits der Plan des Hausbau auf Hochtouren. Grundstücksuche und Grundstückkauf, Hauskauf und Finanzierung. Denn das wir ausziehen mussten, so oder so, war uns schnell klar. Nur mit der gravierenden Wendung beiderseits hatten wir nie gerechnet.

Denn was soll ich sagen wie es ausging? Das dürfte doch schon klar zu erkennen sein. Natürlich trugen WIR alle Unkosten und bekamen die fristlose Kündigung von einem seiner Laufburschen persönlich ausgehändigt.
Da braucht’s dann eine Weile, sich davon zu erholen. Auch finanziell.

Plötzlich mussten schnelle Entscheidungen her. Zum Glück fanden wir zu der Zeit recht zügig eine neue brauchbare Wohnung. Und auch noch eine die für die nächsten 19 Jahre brauchbar blieb. Das hätte auch anders kommen können.
Doch so ein Wunsch des eigenen Heims verschwindet nicht. Und wenn sich immer mehr ringsum der Wohnung und auch innerhalb des Hauses derart verändert, dass es sich nicht mehr gut anfühlt, dann ist es an der Zeit daran etwas zu ändern. Und so begannen wir erneut 2016 nach einem Grundstück zu suchen. Nun in geringerer Auswahl, dafür aber wenigstens teurer! Aber es gab auch Ausnahmen. Doch die hatten einen Haken.
Eine ältere Dame wollte ein derzeit verpachtetes Grundstück ihrer Eltern verkaufen. Und das zu einem guten Preis. Nur damit sie es los wird. Das gefundene Prachtstück in guter Größer entpuppte sich allerdings bei unserer Antragstellung als ein Grundstück der eigenen Art. Zum einen gaben die Behörden selbst der Eigentümerin keine vernünftige Auskunft darüber, ob es denn nun Baugrund sei oder nicht, und zweitens bekamen wir auf eine Voranfrage die Auskunft, dass es das sei, was dann drittens wieder nicht stimmte. Das hinge bedingt von der Größe des geplanten Häuschens ab. Wenn es bei Schuppengröße bliebe, könnte man sich dafür einsetzen das es gebaut werden dürfte. Und im eigentlichen sei auf dem Grundstück momentan aber nur extensive Tierhaltung geduldet.
Ne, Ne, im Schuppen wollten wir eigentlich nicht wohnen! Mit ‚Haus‘ meinten wir schon eher so was ernsthaft Größeres.
Sie hätten es ganz sicher als Bauland zulassen können, wollten aber auch hier einfach nicht. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite stand Haus neben Haus auf schmalsten Flurstücken…
Es war ein so schönes Grundstück und unser Bedauern riesengroß.

Die Besitzerin dieses zweiten Grundstücks hatte allerdings ein so schlechtes Gewissen – was sie gar nicht haben brauchte – dass sie uns weiterhin regelrecht betreute. Wir hatten uns nie persönlich kennengelernt. Die Anbahnung und Besichtigung lief über eine Maklerin. Und doch führte sie für uns weitere Recherchen im Bekanntenkreis durch, damit wir noch ein passendes Fleckchen Erde finden sollten. Obwohl wir ihr auch nicht das alte Elternhaus mitten im Ort abkaufen wollten. Das verstand sie. „Es tut mir ja so Leid dass das schief ging mit dem Land. Ich hatte doch alles versucht. Wir haben uns zwar nie getroffen, und doch habe ich sie irgendwie ins Herz geschlossen. Sie sind mir einfach sympathisch und ich möchte noch was für sie tun“ – teilte sie meinem Meister am Telefon mit. Neben den vielen alltäglichen Sorgen, die sie umgaben. Sie war eine Kümmerin durch und durch, für alle und für jeden. Mein Meister hörte ihr geduldig lange zu. Über zwei Monate hielt sich noch dieser Kontakt. Bis wir dann wirklich was Eigenes fanden. Das freute sie sehr, denn ihre Bemühungen blieben leider ohne Erfolg.

In der Zwischenzeit haben wir alles irgendwie Mögliche abgeklappert. Im Internet haben wir gesucht, in fast jede Zeitung des Landes haben wir eine Annonce aufgegeben. Am Wochenende sind wir durch die Gemeinden gefahren, um nach „zum Verkauf“ Schildern zu suchen. Wir haben nach freien Grundstücken, sowie auch Häusern zum Sanieren gesucht.
Was haben wir nicht alles gesehen! Aber schnell bekommt man auch ein Gefühl dafür wo der Hase im Pfeffer liegt und der Makler genau da nicht mit dem Finger drauf zeigen will.
Grundstücke, bei denen keiner sicher sagen konnte was genau rechts und links in Kürze passiert. Eine Nachbarin redet davon dass da einer bald Schafe halten will. Eine größere Herde soll das werden. Das alte Haus rechts hat auch neue Besitzer, aber da sind jetzt fast alle Fenster mit Pappe zugenagelt worden. Hin und wieder soll da mal jemand kommen und nach dem Rechten sehen. Dann ist da mal Krach. Aber renovieren? Dazu fehlt denen wohl das Geld. Die haben mal angefangen, aber das war schon vor Jahren! Obwohl der Handwerker ist. Aber hier ist ein Arzt im Ort! Wäre das nicht was für sie?
Sicher war dort nur der Bestand an wild lebenden Hühnern an der Rückfront, um die sich kaum einer kümmerte, außer ab und zu Futter hinzustreuen, und die sich hin und wieder durch den Zaun mogelten – genau wie ein Marder oder Iltis, oder was man auch immer mit der gelegten Falle hinter dem Loch im Zaun erwischen wollte. Uhahhh, da graut es mir.

Eine nette ältere Frau erklärte mir schon mal in ihrer Küche den Gasherd, den sie ja gern drin lassen würde. Aus einem anderen Keller hätten wir uns noch von Eingewecktem gut ein halbes Jahr ernähren können – vielleicht bei Geldknappheit nach dem Kauf?
Auf dem nächsten schönen großen Grundstück stand ein zweigeschossiges Haus welches nebenher in Heimarbeit von 2-3 Jungs saniert wurde, so wie gerade mal Zeit war. Und das mit Material, was von einem anderen Bauplatz abfiel. Da war der Küchenboden schon in schwarz gefliest und im Wohnzimmer lauter kleine Lampen an den Wänden und auch eine an der Decke. „Geht alles zum Festpreis raus!“ – klar, bei dem Preis. Was mit dem ungesicherten Austritt in der oberen Etage noch passiert? „Da haben wir noch keine Vorstellung. Das können sie sich ja dann machen wie sie wollen.“ Am besten gefiel mir dort das noch unsanierte Bad mit dem ungehobelten alten Dielenboden. „Das ist doch noch gar nicht gefliest!“ war seine halb entsetzte Reaktion. Ne, meinetwegen kann das, nach Schliff, so bleiben. Unangebracht fanden wir, dass eine Menge dunkler Restbeton einfach ausgekippt und im halben, sonst grün bewachsenem Hof verteilt wurde. „Wieso? Warum nicht? Haben sie gleich ‚ne feste Einfahrt!“
Dort und auch auf den allermeisten Grundstücken aber war so viel alter Nebengelass, dass schon die Beräumung jede Finanzierung gesprengt hätte.
Anderswo stand vor dem Haus ein völlig rostiges und bereits bemoostes altes Auto ohne Reifen. Und dabei war das noch nicht mal das Schlimmste. Auch um eine eingetretene Zimmertür, die nicht mehr verschließbare Balkontür und um die zerschlagenen Wände und Fußböden hätten wir uns kümmern sollen. Das Treppengeländer sah aber noch gut aus. Da hatte der Zahnarzt über Jahre mächtig Ärger mit seinen Mietern in dem 130 qm Haus und wollte jetzt noch ein Schnäppchen machen und dabei das Haus so schnell und galant loswerden wie es nur geht.

Viele der Anbieter hätten uns gern als Käufer gesehen. Das hat uns immer geschmeichelt. Einige riefen uns nochmals an und wollten mit dem Preis runtergehen. „Oder woran hängts? Sagen sie ruhig!“
Zwei der Häuser waren so niedrig, in denen konnte ich, ohne mich groß zu strecken, die Decke berühren. Und das will was heißen bei meiner Körpergröße von einsvierundfuffzich!
In einem anderen lud wirklich nur der kahle Dachboden zum Umbau und zum Wohnen ein.
Bei einigen anderen befanden sich Stallungen nebenan. „Falls sie sich Schweine halten möchten? Die Boxen sind noch voll in Ordnung. Und nach hinten gibt’s einen Auslauf! Mit Rasen!“ Die volle Vogelvoliere hätten wir auch übernehmen dürfen. Einschließlich der mindestens fünf 10 Kilo Säcke Futtervorrat. War ein Hobby, welches jetzt immer schwerer fällt. Und sind noch Hühner da – die bekommen sie obendrauf. Und ich zeige ihnen auch gleich noch meinen angelegten Gemüsegarten! Da finden sie alles was sie brauchen. Ich habe ein extra großes Kartoffel Beet gemacht.
Dann gab es volle Garagen und übervolle Hobby Werkstätten mit Unmengen an rostigem Werkzeug, oder auch eine ehemalige Bäckerei einschließlich Backofen und Ladenräumen. In einem weiteren Haus wurde gerade das Bad erst vor wenigen Monaten ins Erdgeschoss verlegt, neu ausgebaut, und von der Krankenkasse altersgerecht ausgestattet. Leider war dies der größte Raum im Haus, die kleine Küche gleich nebenan und das Wohnzimmer in der oberen Etage.
Bei einigen Häusern konnte man sich noch vorstellen einen Zugang zum Garten zu schaffen, bei anderen wäre das gar nicht möglich gewesen. Dabei ist das Leben im Garten doch das wichtigste für uns.

Und jetzt? Der dritte Versuch. Jetzt muss es einfach klappen.

Fortsetzung folgt …

Lasst es Euch gut gehen.

pilziger herbst

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Mein Meister ist derzeit nur schwer von einem Waldbesuch abzuhalten. Die Verlockung ist einfach zu groß. Die Verlockung der Pilze, die dort so zahlreich nur darauf warten abgeholt zu werden. 

Eigentlich wollten wir schon am ersten Wochenende „einfach nur mal paar Stunden raus“ und „im Wald eine Runde drehen“. Mit meinem Meister gar unmöglich. Da kommt erwartungsgemäß von der Seite plötzlich ein: „Willst du den Weg da mal rein? Nur mal gucken ob noch was steht?“


Den ersten Weg konnte ich gerade noch umgehen, etwas später aber lud der Wald mit einem sonnigen kleinen Pfad nur allzu sehr zum Besuch ein – und schwups war es auch schon um uns geschehen. Da standen wir im Wald und inmitten der Pilze. Kaum drei Schritte und wir stolperten über den ersten braunen Kleinen.
Und dann waren auf einmal anderthalb Stunden rum und wir hatten, ohne uns groß vom Fleck wegzubewegen, über 2 Kilo Maronen, Stein- und Birkenpilze gesammelt. Und dabei schon nach Schönheit gewählt. Und schließlich habe ich meinen Meister aus dem Wald drängeln und schubsen müssen, mit dem Hinweis: „Augen schön nach oben richten!“, um bloß nicht noch mehr Pilze einzusacken, die weitere Stunden an Putzarbeit fordern.

Allein, auch auf dem breiten Waldweg stolperten wir weiterhin unentwegt über Pilze, die auch noch im Vorbeigehen schnell in den Beutel wanderten.
„Nun ist aber Schluss! Weitergehen, weitergehen, hier gibts nichts zu sehen.“

Nun haben wir beide mindestens ein Pilzauge, und da ist klar: was der eine nicht sieht, sieht der andere. Und die einzige Frage ist allein die, wer das Pilzmesser bekommt.

Und auch letzten Samstag sprang mein Meister wieder mit den Worten: „nur mal kurz gucken“ in den Wald. Klar dass ich ihm folge. Klar dass wir wieder beide gleichviel finden. Klar war auch, dass ich ihn wieder aus dem Wald drängeln muss.

Die gesammelte Menge war damit geringer, aber immer noch reichlich für eine Mahlzeit. Dafür war dann der Spaziergang um so länger. Auch schön – so wie der Anblick des Waldes im Augenblick. Herrlich erholsam. Herrlicher Herbst.

Lasst es Euch gut gehen.

wenn dr de gastannchen of de birne gnalln

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… oder wie in unserem Fall die Eicheln – dann ist es Herbst.

Doch etwas verwundert reibe ich mir die Augen angesichts der noch so grünen Bäume. Kommt da so schnell noch kein Winter?

Unser Rosenstock zeigt wie jedes Jahr mit seiner letzten Blüte was er prachtvolles hervorzubringen vermag und lässt sie noch größer und schöner erstrahlen als all seine Kinder die Monate zuvor. Ein besonderer Anblick, da die überwiegende Zahl der Rosenblätter bereits welk oder gar abgefallen ist.
Die Vögel haben für ihren eigenen Futtervorrat gesorgt und mit dem verstreuen der  Sonnenblumenkerne aus dem Futterhäuschen ihre eigene Futterstation geschaffen. Diese stellt jetzt kleine zarte Kerne zur Verfügung. Eigentlich wollte ich das struppige Wildgewüchs schon lange aus dem Topf entsorgt haben, da es auch meiner Rose Kraft entzieht, doch wie ich heute sah, zeigt eine kleine Kohlmeise artistisches Talent, sich schwankend an der Bambusstange der Miniblüte zu nähern um dann ihr Futter zu erhaschen.
Dennoch helfen wir nach und füttern und füttern und füttern und…

Die Blumen auf dem Balkon verlieren nun nach und nach ihre Blätter und werden um- und weggeräumt, die Abdeckungen für Töpfe und Tische und Stühle bereitgelegt, und somit der Balkon nun langsam winterfest gemacht.

Wenn es aber das Wetter und die Zeit zulässt, machen wir einen Ausflug ins Umland und genießen die warmen Sonnenstrahlen der Herbsttage.

 

Lasst es Euch gut gehen.